Ärzte Zeitung, 30.09.2015

E-Health-Gesetz

Die Apotheker bohren weiter

Hat die ABDA Chancen, Apotheker in Sachen Medikationsplan doch noch mit ins Boot zu bekommen? Beim Apothekertag ist das ein großes Thema.

DÜSSELDORF. Die Apotheker geben die Hoffnung auf eine Berücksichtigung im E-Health-Gesetz nicht auf.

"Wir setzen darauf, dass im Rahmen des parlamentarischen Prozesses doch noch Vernunft einkehrt", sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, anlässlich des Deutschen Apothekertages in Düsseldorf.

Es mache keinen Sinn, die Apotheker bei der geplanten Erstellung einer Medikationsliste außen vor zu lassen und sie allein in die Hände der Ärzte zu legen, findet Schmidt. "Es geht darum, die einzelnen Kompetenzen der Professionals zu vernetzen, damit der Patient am Ende etwas davon hat."

Ärzte stehen hinter den Apothekern

Große Teile der Ärzteschaft stünden in dieser Frage an der Seite der Apotheker. Auch der Bundesrat habe das Problem erkannt, die Bundesregierung die Bedenken bislang aber leider nicht aufgegriffen.

Die Tatsache, dass die Bundesregierung die Medikationsliste allein in die Hände der Ärzte legen will, möchte der ABDA-Präsident nicht als Misstrauenserklärung an seinen Berufsstand verstanden wissen. Die Politik schreibe lediglich existierende Verhältnisse fort.

"Der Gesetzgeber geht offenbar davon aus, dass die koordinierende Funktion des Hausarztes ausreichend wahrgenommen wird." Dass dies nicht der Fall sei, sei kein Versagen der Ärzte, sondern ein kommunikatives und ein System-Versagen, betonte er.

"Dem Bundesgesundheitsministerium fehlt der Mut, den entscheidenden Schritt in ein vernetztes Gesundheitswesen zu gehen", kritisierte der ABDA-Chef.

Kiefer: Reine Erfassung auf Medikationsliste bringt wenig

Die reine Erfassung der verordneten Mittel auf einer Medikationsliste hat nach Einschätzung von Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, ohnehin wenig Sinn.

Die Liste müsse um die Analyse und die Anpassung der Medikation ergänzt und zu einem Medikationsplan werden, der auch die verordneten und selbst gekauften OTC-Präparate umfasst. "Alle Studien und Erfahrungen zeigen, dass einer der Heilberufe allein das nicht hinbekommt", so Kiefer. Schließlich gebe es eine Reihe von Informationsquellen.

Gerade bei älteren Patienten, bei denen Polymedikation weit verbreitet sei, spielten auch Angehörige und Pflegekräfte eine wichtige Rolle.

Die Verbesserung der Arzneimitteltherapie müsse von Arzt und Apotheker besprochen werden, betonte Kiefer: "Nur wenn die Gesamtmedikation bekannt ist, können Arzneimittelbezogene Probleme vermieden werden."

Apotheker beklagen fehlende Planungssicherheit

Die Apotheker haben auf der "expopharm" auch gesetzliche Regeln für eine regelmäßige Anpassung ihrer Vergütung gefordert.

Notwendig sei ein Berechnungsmodus, der ein Mehr an Leistungen honoriere und die Apotheker an der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung teilhaben lasse, sagte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Fritz Becker. Zurzeit fehle den Apotheken Planungssicherheit. (iss)

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