Ärzte Zeitung, 25.04.2016
 

E-Health

Metke: "Der Markt wird neu aufgeteilt"

FREIBURG. Digitalisierung schafft neue Versorgungsmöglichkeiten. Vertragsärzte müssen sich überlegen, ob sie dieses neue Marktsegment besetzen oder es abgeben wollen.

Darauf hat Dr. Norbert Metke, KV-Chef in Baden-Württemberg, am Samstag beim E-Health-Forum in Freiburg hingewiesen - und einen Vorschlag gemacht, was die KVen tun können.

"Der Markt wird neu aufgeteilt, in der Schweiz ist er sogar bereits neu aufgeteilt", warnte Metke in Freiburg. Er verwies auf das Beispiel von Medgate in der Schweiz, einem telemedizinischen Dienst, der mit Krankenversicherern zusammenarbeitet.

Medgate wird von Patienten konsultiert, die akut einen Arzt brauchen. "60 Prozent derjenigen, die sich dort melden, müssen tatsächlich zum Arzt", erläuterte Metke, 40 Prozent nicht. Seine Schlussfolgerung: "Es geht nicht ohne IT, weil die neue Generation IT will. Und die Patienten sind die Existenz der Praxen."

Bereits heute gebe es auch in Baden-Württemberg ein Problem mit der Versorgung der Patienten, die akut einen Arzt brauchen: 1,26 Millionen Patienten im Jahr konsultierten laut Metke zuletzt im Notfall zuerst die Klinik, "500.000 davon sogar in der Zeit, wenn die Praxen geöffnet sind".

Metke will nun den Zugang zum Arzt möglichst niedrigschwellig gestalten, indem die KV eine Stelle "MedCall" einrichtet, die Patienten anrufen können, wenn sie akut einen Arzt brauchen. Metke: "Dafür werden wir auch massiv werben, damit die Nummer bekannt ist." "MedCall" könnte auch direkt an die bereits eingerichtete Terminservicestelle der KV angedockt werden.

Anders als dort geht es aber nicht um einen Termin in den kommenden vier Wochen, sondern um die Versorgung eines akuten medizinischen Problems. Die Stelle solle Patienten sofort einen Arzttermin vermitteln oder für einen Rückruf eines Arztes binnen einer Stunde sorgen. Das würde den Ärzten, die das übernehmen, auch honoriert.

"So können wir verhindern, dass diese Patienten am Ende ins Krankenhaus abwandern und in der vertragsärztlichen Versorgungsebene fehlen", betonte der KV-Chef. Über das Modell soll in Kürze die KV-Vertreterversammlung entscheiden. (ger)

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