Ärzte Zeitung, 02.11.2016

Südwesten

Kasse fordert Telemedizin-Schmiede

Sowohl Praxen als auch Kliniken im Ländle sollen sich vermehrt in der Telemedizin üben, fordert die TK. Das nötige Kleingeld für die digitale Ideenschmiede soll aus dem KV- und dem Krankenhaus-Strukturfonds kommen.

Von Rebekka Höhl

telemedizin-AH.jpg

Telekonsil mit Fachärzten – Telemedizin könnte an vielen Stellen Versorgungslücken schließen.

© Andrey Popov / fotolia.com

STUTTGART. Rund 100 Millionen Euro hat die Landesregierung Baden-Württemberg für ihr Digitalisierungspaket im Haushaltsplan 2017 vorgesehen. Nicht genug, sagt die Techniker Krankenkassen (TK) im Südwesten. Sie fordert, dass Telemedizin gezielt gefördert wird, statt das Geld mit der Gießkanne zu verteilen. Dabei sollen auch der 5,5 Millionen Euro schwere Strukturfonds der KV Baden-Württemberg (KVBW), der gemeinsam mit den Kassen zur Sicherstellung der vertragsärztlichen Versorgung in definierten Fördergebieten gebildet wurde, und der bundesweite Krankenhaus-Strukturfonds, mit seinen rund 130 Millionen Euro angezapft werden.

"Die Digitalisierung ist ein Schlüssel zum Erfolg bei der Bewältigung großer Herausforderungen wie des Anstiegs chronischer Erkrankungen oder der drohenden Unterversorgung im ländlichen Raum", so Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.

Die Kasse hat konkrete Vorstellungen, wie die Digitalisierung und Telemedizin im Gesundheitswesen vorangetrieben werden könnte. Vier Maßnahmen hat sie in einem Positionspapier zusammengefasst. Dabei wird auch deutlich, dass die TK den Südwesten als Innovationsschmiede für telemedizinische Projekte sieht, die den Weg in die Regelversorgung schaffen. – Aber auch als Zugpferd und Vorreiter für die einmal mehr ins Stocken geratene bundesweite Vernetzung der Leistungserbringer – Stichwort Telematikinfrastruktur und ihre bröckelnden Fristen.

Die vier Maßnahmen im Überblick:

Die TK fordert einen stärkeren Dialog mit den Bürgern. Organisiert von der Koordinierungsstelle Telemedizin sollte dazu eine interaktive Plattform errichtet werden, auf der Bürger niederschwellig über Chancen und Risiken der Telemedizin sowie aktuelle Entwicklungen informiert werden. Gleichzeitig sollen sie sich auf der Plattform konstruktiv einbringen können.

Da sich die Informationswege auch für Präventionsangebote geändert haben, sollte ein Förderschwerpunkt auf die Medienkompetenz – insbesondere den Umgang mit Internet und Smartphone – gelegt werden. Zusätzlich sollten landesweite Ideenwettbewerbe für benutzerfreundliche Online-Konzepte in der Gesundheitsförderung und Prävention ausgeschrieben werden.

Es sollte erprobt werden, wie Telemedizin bei der Sicherstellung der ambulanten Versorgung helfen kann. So könnte laut der Kasse durch die Nutzung moderner Kommunikationstechnologien die Steuerung der Patienten im Rahmen des ärztlichen Bereitschaftsdiensts in die dafür zuständigen KV-eigenen Notfallpraxen sichergestellt werden. Zusätzlich könnten Online-Sprechstunden gefördert werden, allerdings nicht, um Ärzte zu ersetzen, sondern um sie zu entlasten. Auch die telemedizinschen Leistungen in den Kliniken sollten weiter ausgebaut und fest in der Krankenhausförderung und dem Landeskrankenhausplan verankert werden. Bei all dem sollte aber "größtmögliche Einsichtnahme und Partizipation durch den Patienten gewährleistet werden". Hier stellt die TK klar, dass sie dieses Ziel auch selbst aktiv mit ihrer elektronischen Gesundheitsakte (eGA) für ihre Versicherten verfolgt.

Digitale Gesundheit und Telemedizin sollten in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten und anderen Heilberuflern fest verankert werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Wenn Frauen beim Sex Urin verlieren

Unwillkürlicher Urinabgang beim Geschlechtsverkehr tritt bei Frauen öfter auf, als viele glauben. Gesprochen wird darüber nur selten. Dabei könnte den Betroffenen geholfen werden. mehr »

Aufgeschlossen, aber schlecht informiert

Jugendliche und junge Erwachsene halten sich beim Thema Organspende für eher schlecht informiert. Trotzdem sind sie dafür wesentlich aufgeschlossener als Ältere. mehr »

Hirnschaden durch zu viel Selen

Fast blind und dement kommt eine Frau zum Arzt. Dieser findet das Problem: Sie hat lange viele Selenpillen geschluckt. Die Nahrungsergänzung schädigte ihr Hirn dauerhaft. mehr »