Ärzte Zeitung, 18.11.2016
 

Telemedizin

Telekonsil soll Versorgung verbessern

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands will eine telemedizinische Plattform für Telekonsile aufbauen. Vorbild ist das System Pädexpert der Kinder- und Jugendärzte.

BERLIN. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) startet im neuen Jahr zur Verbesserung der Versorgung ein eigenes telemedizinisches Konsil. Patienten insbesondere mit chronischen und seltenen Erkrankungen sollen über die Plattform schneller als bisher versorgt werden.

Das "Facharzt-Konsil" können hausärztlich tätige Mediziner nutzen, um ihre Patienten einem Facharzt vorzustellen und gemeinsam zu behandeln. Auch die Zusammenarbeit zwischen Fachärzten wird durch das neue telemedizinische Angebot intensiviert. "Insbesondere für Patienten, die auf dem Land wohnen, eignet sich unser neues ‚Facharzt-Konsil‘. Oftmals sind Fachärzte nicht überall zeit- und ortsnah verfügbar. Wir können ihnen eine Abklärung von unklaren Befunden innerhalb von 24 Stunden anbieten", so Lars Lindemann, Hauptgeschäftsführer des SpiFa. Hausärzte stellen Anfragen an Spezialisten über vorgegebene Module, die von den Facharztverbänden erarbeitet werden, so dass der konsultierte Facharzt alle relevanten Informationen zur Verfügung hat. Diese Form der Fernbehandlung ist auch berufsrechtskonform. Über die Plattform könne auch die Therapie von chronisch kranken Patienten mit den Fachärzten im Netzwerk abgestimmt werden. Die Patienten sparten sich mitunter lange Anfahrtswege oder Wartezeiten beim Spezialisten und könnten von ihrem vertrauten Arzt vor Ort weiter betreut werden.

Für Telekonsile gibt es im EBM bislang keine Gebührenordnungspositionen. Die Finanzierung soll daher wie im Netzwerk PädExpert®, das als Blaupause für das Projekt des SpiFa gilt, über Selektivverträge mit Krankenkassen erfolgen.Die geplanten Indikationen kommen aus dem Bereich der großen Volkskrankheiten, bei denen zusätzliche fachärztliche Expertise gefragt ist. "Die Algorithmen werden von Experten aus unserem Netzwerk bzw. aus allen Fachbereichen der SpiFa-Mitgliedsverbände zur Verbesserung der Patientenversorgung entwickelt und stehen dann allen teilnehmenden Ärzten zur Verfügung. Der Zugang zum Programm ist sehr niederschwellig – ein Internetzugang in der Praxis genügt", so Lindemann.Über die Telekonsil-Plattform soll dazu beitragen, die Expertise von Spezialisten aus den Ballungsräumen auch auf dem Land verfügbar zu machen.Der SpiFa gehe bei Datenschutz und Datensicherheit mit seinem IT-Dienstleister – dem Unternehmen Monks aus München – einen ganz neuen Weg. Dabei würden die persönlichen Daten des Patienten von den Anamnesedaten – also z.B. den medizinischen Daten oder Bildern – getrennt. Die medizinischen Daten enthielten keine personenbezogenen Informationen und können von dem konsultierten Arzt nur durch einen sogenannten "Private Key", also einen privaten Schlüssel, der sich nach dem Download des Programms nur lokal auf seinem Rechner befindet, einem Patienten zugeordnet und entschlüsselt werden.Die Übertragung der verschiedenen Informationen erfolgt auf separaten Servern, die sich alle in einem Rechenzentrum in Deutschland befinden und daher dem deutschen Datenschutzrecht unterliegen. Dieses sogenannte Data-Split®-Verfahren sei vom Landesamt für Datenschutz in Bayern als sicheres Datenübertragungsverfahren positiv bewertet worden und beim Europäischen Patentamt zum Patent angemeldet (EPA 12 178 598.4). "Wir haben auch in Sachen Datenschutz und Datensicherheit hohe Maßstäbe gesetzt und sind daher sehr zuversichtlich, dass viele Ärzte, unabhängig davon, ob sie haus- oder fachärztlich tätig sind, an dem neuen "Facharzt-Konsil" teilnehmen werden", betont Lindemann laut Mitteilung. Die Module für die ersten Indikationen sollen bereits im ersten Quartal des neuen Jahres realisiert werden. (ger)

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