Ärzte Zeitung online, 21.03.2017
 

Videosprechstunde

"Neue EBM-Regelung ist eine Enttäuschung"

Verlaufskontrollen bei Bestandspatienten: Der Anwendungsspielraum für Videosprechstunden im EBM ist dem Anbieter TeleClinic zu dünn.

MÜNCHEN.Ab 1. April können Ärzte die Kosten für Online-Videosprechstunden abrechnen. Dafür wurden die beiden neuen Gebührenordnungspositionen 01439 und 01450 in den EBM aufgenommen (wir berichteten). Das Münchener Start-up TeleClinic, das bereits Videosprechstunden für einige private aber auch gesetzliche Kostenträger anbietet, kritisiert die neuen Abrechnungsregeln als einen "Scheinfortschritt".

In einer zu Wochenbeginn veröffentlichten Stellungnahme stößt sich TeleClinic-Geschäftsführerin Katharina Jünger vor allem an der Einschränkung des Leistungsinhalts auf Verlaufskontrollen. Das eigentliche Potenzial der Videosprechstunde, so Jünger, bleibe "damit weitestgehend ungenutzt". Zu den wichtigsten Vorteilen der virtuellen Sprechstunde gehöre etwa der barrierefreie Arzt- Zugang für mobil eingeschränkte Personen. Das lasse sich jetzt aber nur im Rahmen von Kontrolluntersuchungen ausspielen. Auch eine Verbesserung der Versorgungsdichte und -qualität in ländlichen Regionen sei von der Videosprechstunde unter den aktuellen EBM-Vorzeichen nicht zu erhoffen, da die Abrechnung nur innerhalb eines bereits bestehenden Arzt-Patienten-Kontakts erlaubt ist.

Dritter Kritikpunkt Jüngers ist der Ausschluss der Abrechenbarkeit im Notdienst – so ausdrücklich im Beschluss des Bewertungsaussschusses aufgeführt. Damit werde eine weitere Möglichkeit dieser digitalen Kontaktschiene verschenkt, nämlich Notaufnahmen zu entlasten. Ärzte würden durch das Angebot einer auf Bestandspatienten beschränkten Online-Videosprechstunde jedenfalls keine neuen Patienten gewinnen können. Jünger: "Für Ärzte, bei denen wenig Verlaufskontrollen anfallen, lohnt sich die Anschaffung einer entsprechenden Software vermutlich nicht. Insgesamt ist die neue EBM-Regelung eine Enttäuschung." (cw)

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