Ärzte Zeitung online, 19.02.2018

Anlage

Schwellenländer verheißen Renditechancen

In den Schwellenländern (Emerging Markets) wächst die Wirtschaft deutlich stärker als in den Industrienationen. Anleger sollten allerdings Geduld mitbringen, um erfolgreich zu sein.

Von Richard Haimann

Schwellenländer verheißen Renditechancen

Emerging Markets punkten bei Börsianern mit überdurchschnittlichen Konjunkturaussichten.

© MichaelJBerlin / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Großbritannien plus 1,8 Prozent, Deutschland plus 2,2 Prozent, USA plus 2,3 Prozent, die gesamte Eurozone plus 2,5 Prozent – in den westlichen Industrienationen ist das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr zwar überall gestiegen. Richtig kräftig zugelegt hat das Barometer des Konjunkturwachstums jedoch in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen Afrikas, Asiens, Osteuropas und Lateinamerikas. Die im Fachjargon der Ökonomen als Emerging Markets bezeichneten Länder steigerten ihre Wirtschaftsleistung 2017 im Schnitt um 4,6 Prozent.

"Die gute Performance dieser Staaten ist noch nicht vorbei", sagt Samy Muaddi, Stratege bei der US-Investmentgesellschaft T. Rowe Price. Dieser Ansicht ist auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Er prognostiziert in einer neuen Studie, dass Emerging Markets auch weiterhin bei der Konjunkturentwicklung die Nase vorn haben werden.

Danach soll deren Wirtschaft dieses Jahr im Schnitt um 4,9 Prozent wachsen, in China, der größten Nation unter den aufstrebenden Staaten, sogar um 6,4 Prozent. Hingegen erwarten die IWF-Ökonomen bei den traditionellen Industriestaaten Europas, Nordamerikas sowie in Japan 2018 im Schnitt nur einen Zuwachs von 2,2 Prozent.

Index spiegelt Entwicklung

Der kräftige Konjunkturzuwachs in den aufstrebenden Nationen beschert den dortigen Unternehmen stetig steigende Gewinne, was deren Aktienkurse deutlich treibt. Der MSCI Emerging Markets Equity Index, der die Kursentwicklung der 864 größten börsennotierten Konzerne aus jenen Staaten widerspiegelt, gewann 2017 stattliche 33,8 Prozent. Der deutsche Leitindex Dax hingegen legte in diesem Zeitraum nur um 13 Prozent zu.

Auch in den kommenden Jahren könnten Aktien aus den aufstrebenden Staaten höhere Kurszuwächse verzeichnen als die Papiere von Unternehmen aus den Industrienationen. "Die Renditeaussichten sind sehr gut", urteilt Thomas Hünicke, geschäftsführender Gesellschafter der Düsseldorfer WBS Hünicke Vermögensverwaltung.

Der Grund: Mit starken Wirtschaftsleistung wächst in den Emerging Markets die konsumstarke Mittelschicht. War Chinas Konjunktur noch vor zehn Jahren als verlängerte Werkbank der Weltwirtschaft allein auf den Export angewiesen, fertigen nun weit mehr als die Hälfte der Unternehmen im bevölkerungsreichsten Staat der Erde für den Binnenmarkt.

Ähnlich ist die Entwicklung in Indien und den meisten lateinamerikanischen Ländern. Eine Reihe afrikanischer Staaten wiederum wandelt sich von reinen Exporteuren von Bodenschätzen zu produzierenden Ländern für die internationale Textilbranche. Der IWF prognostiziert deshalb, dass der Anteil der Emerging Markets am globalen Bruttoinlandsprodukt von aktuell 39 Prozent auf 60 Prozent im Jahr 2035 steigen wird.

"Schwellenländeraktien gehören deshalb in jedes ausbalancierte Anlegerportfolio und können helfen, ein Mehr an Rendite zu erwirtschaften", sagt daher Thilo Stadler, Stratege bei der Vermögensberatung ICM Independent Capital Management in Mannheim.

Um ihre Ertragschancen zu erhöhen und ihre Risiken zu reduzieren, sollten Anleger dabei nicht auf einzelne Titel setzen, sondern auf börsennotierte Indexfonds, die beispielsweise den MSCI Emerging Markets Equity Index nachbilden. Weil diese Indexfonds nur an der Börse gehandelt und nicht aktiv gemanagt werden, fallen keine Ausgabeaufschläge und nur geringe Verwaltungskosten an.

Turbulenzen nicht ausgeschlossen

"Zudem sollten sich Anleger der Risiken von Schwellenländer-Investments bewusst sein", sagt Stadler. Denn politische Ereignisse in diesen Ländern haben in der Vergangenheit immer wieder die dortigen Börsen in Turbulenzen gebracht. Aktuell treffe beispielsweise in der Türkei "ein überhitzter Aktienmarkt auf eine immer rigider werdende Regierung", sagt Stadler. Mexikos Wirtschaft wiederum könnte unter dem Protektionismus der Trump-Regierung in den USA leiden.

Bei Anlagen in Emerging-Markets-Aktien seien deshalb "Geduld und ein langfristiger Horizont" gefragt, sagt Hünicke. Zwar könne es vorübergehend zu Kurseinbrüchen in einzelnen Ländern kommen. Langfristig aber dürfte der Emerging-Market-Index den deutschen Dax und den US-Leitindex Dow Jones outperformen.

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