Ärzte Zeitung online, 30.03.2019

Anlagenkolumne

Kaufen und liegenlassen

Von Gottfried Urban

An der Börse muss mit Horror-Quartalen nicht immer gleich der Beginn einer Katastrophe einhergehen. Das hat der Kursverlauf von Ende 2018 bis jetzt gezeigt.

Zum Höhepunkt der negativen Schlagzeilen dreht der Markt meist kräftig nach oben. Wer mit sogenannten Stop-Loss-Limiten jetzt automatisch verkauft hat, ist nicht mehr investiert, sobald der Aktienmarkt wieder in den Gewinnmodus schaltet.

Genauso falsch ist ein anderes Verhaltensmuster: Nämlich darauf zu warten, dass die Kurse endlich sinken. Anleger verpassen auch bei Kursrückgängen den Einstieg, denn man will ja den Tiefpunkt erwischen. Wenn die Märkte allerdings dem Anleger diesen Gefallen nicht tun?

Grundsätzlich gilt: Bei starker Überbewertung zum historischen Durchschnitt sollte man verkaufen – in allen anderen Phasen jedoch nach Möglichkeit investiert bleiben. In leicht überbewerteten, fair oder unterbewerteten Märkten investiert man in Aktien, egal wie das wirtschaftliche Umfeld aussieht. Insbesondere gilt das bei einem Zinsniveau um Null und einem Aktienmarkt, der weit von der Euphorie entfernt ist.

Börsenwellen durch geschicktes Ein- oder Aussteigen zu nutzen, wie es im Marketing von Handelsplattformen gerne suggeriert wird, ist dauerhaft nicht erfolgreich und nützt nur den Handelsplattformen, die damit ihr Geld verdienen.

Das sogenannte „Market Timing“, also die kurzfristige Prognose von Kursbewegungen, wird von Profis erwartet. Die Ergebnisse sind langfristig meist alarmierend schlecht im Vergleich zu Investoren, die nicht auf negative Meldungen reagieren.

Die Historie bestätigt, dass ein globaler Aktienindex in drei Viertel der Zeit steigt. Die Statistik spricht also für ein „Kaufen und liegen lassen“. Disziplin und die Anwendung funktionierender Anlagestrategien helfen, der Rest ist Handwerk, Erfahrung und ein langer Atem.

Der Fondsmanager Gottfried Urban der Bayerische Vermögen AG ist mehrfach für seine Leistungen in der Vermögensverwaltung ausgezeichnet worden.

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