Ärzte Zeitung, 30.04.2008

Immobilienaktien werden für Anleger wieder attraktiv

Investment-Experten sehen Erholungspotenzial / Kopplung der Mieten an die Teuerungsrate ist in Inflationszeiten ein zusätzliches Kaufargument

NEU-ISENBURG (hai). Durch die Kreditkrise haben Immobilienaktien hohe Kursverluste erfahren. Jetzt raten Analysten zum Einstieg in den Sektor.

"Bei vielen deutschen Werten ist die Korrektur übertrieben", sagt Stefan Goronczy, Immobilienaktienanalyst der HSH Nordbank. Mit dieser Ansicht steht der Hamburger Experte nicht allein. "Nach den hohen Kursverlusten von teilweise mehr als 50 Prozent sind deutsche Immobilienaktien so günstig wie selten zuvor zu haben", sekundiert Dieter Thomaschowski, Geschäftsführer der auf Immobilienwerte spezialisierten Investment Research in Chance (IRICIC).

Vor allem Profiinvestoren wie Pensionskassen und Versicherungen haben Immobilienaktien abgestoßen, nachdem Banken wegen der US-Hypothekenkrise die Zinssätze für Kredite deutlich erhöht hatten. Dadurch verteuern sich die Investitionskosten für die Unternehmen.

Doch die anziehende Inflation könnte schon bald die Kurse wieder nach oben treiben. Denn bei vielen Gewerbeimmobilien sind die Mieten an die Teuerungsraten gekoppelt. "Steigt die Inflation, erhöhen sich dadurch automatisch auch die Mieteinnahmen der Unternehmen", erläutert Thomaschowski. "Diesen Schutz bietet keine andere Anlageklasse."

Analysten halten Kursstürze bei einigen Papieren für übertrieben.

JPMorgan-Analyst Harm Meijer rät Anlegern, weitere Rückschläge bei ausgesuchten Werten für den Einstieg zu nutzen: "In der finalen Panikphase könnten die Börsenkurse mancher Papiere noch mal kurzfristig um bis 20 Prozent einbrechen - und damit die ideale Kaufgelegenheit bieten."

Für HSH-Nordbank-Analyst Goronczy ist die Aktie des Immobilienkonzerns IVG (ISIN DE0006205701) eine Überlegung wert. Vor einem Jahr notierte das Papier noch bei über 36 Euro. Aktuell liegt der Kurs unter 17 Euro. "Der Kurssturz ist übertrieben", meint auch Helmut Kurz, Manager des Ellwanger & Geiger-Fonds Immobilienaktien Europa.

Optimistisch ist Kurz auch für die Deutsche Wohnen (ISIN DE000A0HN5C6). Deren Aktie hatte 2007 rund 50 Prozent verloren und war in den vergangenen Wochen um weitere 20 Prozent eingebrochen, nachdem das Unternehmen bekannt gab, für 2007 keine Dividende zu zahlen. "Mittelfristig wird die Gesellschaft aber solide Erträge erwirtschaften", sagt Kurz.

Zu den Favoriten von JPMorgan-Analyst Meijer zählt die Aktie von Europas größtem ShoppingcenterBetreiber, Unibail-Rodamco (ISIN FR0000124711). Gerade hat der französische Konzern die Genehmigung für den Bau der "Mall of Scandinavia" erhalten. Sie soll mit 100 000 Quadratmetern Verkaufsfläche der größte Konsumtempel in Stockholm werden. IRICIC-Experte Thomaschowski empfiehlt das Papier der auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierten Hamborner AG (ISIN DE0006013006). Thomaschowski: "Die Objekte der Gesellschaft befinden sich in besten Lagen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »