Ärzte Zeitung online, 23.09.2008

Transparency: Fortschritte in Deutschland im Kampf gegen Korruption

BERLIN (dpa). Im Kampf gegen Korruption hat Deutschland nach Ansicht von Transparency Fortschritte gemacht. Korruptionsskandale wie beim Elektrokonzern Siemens hätten in der Wirtschaft erhöhte Anstrengungen ausgelöst, sich gegen Korruptionsrisiken abzusichern. Das Risiko, erwischt zu werden, sei gestiegen.

"Ausreden wie ,Ohne Korruption geht es nicht‘ tragen nicht mehr", sagte die Chefin der deutschen Transparency-Abteilung, Sylvia Schenk, am Dienstag in Berlin. In der weltweiten Korruptions-Rangliste verbesserte sich Deutschland im Vorjahresvergleich von Platz 16 auf 14, liegt aber weiter nur im westeuropäischen Mittelfeld.

Besonders wenig Korruption gibt es in Dänemark, Schweden und Neuseeland

An der Spitze der 180 untersuchten Staaten stehen gemeinsam Dänemark, Schweden und Neuseeland mit besonders wenig Korruption. Es folgen Singapur, Finnland und die Schweiz. Dagegen sind Bestechung und Vetternwirtschaft nach Beobachtung von Experten in Afghanistan, Haiti, Irak, Birma und Somalia an der Tagesordnung.

Zu den Absteigern in der Rangliste zählen Bulgarien, Großbritannien und Norwegen. Boden gut machten Albanien, Südkorea und die Türkei. Die USA liegen mit Japan auf Rang 18. Italien landete auf Platz 55. Schlechte Noten bekamen die aufstrebenden Wirtschaftsmächte China (72.), Brasilien (80.), Indien (85.) und Russland (147.).

Transparency beruft sich auf Umfragen bei Geschäftsleuten und Experten

Transparency beruft sich auf Umfragen bei Geschäftsleuten und Experten, die Angaben über die von ihnen wahrgenommene Korruption im öffentlichen Sektor machen. Die Daten von zwölf unabhängigen Institutionen flossen in den Korruptionswahrnehmungsindex 2008 ein. Für das Abschneiden entscheidend ist eine Skala von null (sehr korrupt) bis zehn (frei von Korruption). Das Länder-Trio an der Spitze kommt auf 9,3 Punkte, Deutschland auf 7,9 Punkte. Schlusslicht Somalia erreicht nur einen Wert von 1,0 Punkten.

Vor allem in Entwicklungsländern und Krisenregionen gebe es einen verhängnisvollen Zusammenhang zwischen Armut, staatlichem Versagen und Bestechung. "In den ärmsten Ländern kann das Ausmaß von Korruption den Ausschlag über Leben und Tod geben, wenn es um Geld für sauberes Trinkwasser oder Krankenhäuser geht", sagte die TI-Vorsitzende Huguette Labelle.

In Deutschland ist nach der Schmiergeld-Affäre bei Siemens das Problembewusstsein geschärft

Positiv hat Transparency registriert, dass in der deutschen Wirtschaft nach der Schmiergeld-Affäre bei Siemens das Problembewusstsein geschärft worden sei. Die internen Kontrollen seien verschärft worden. Wirkung zeigten auch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes bei schwarzen Kassen und die Anzeigenpflicht der Betriebsprüfer.

Defizite gebe es bei vielen mittelständischen Firmen mit großen Exporterfolgen. "Der Funken der Korruptionsvorbeugung muss stärker auf den Mittelstand überspringen. Die Unternehmen sollten erkennen, dass die straf- und zivilrechtlichen Risiken bei Auslandsbestechung enorm gestiegen sind", forderte Schenk.

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