Ärzte Zeitung, 03.11.2008
 

ANLAGEN-KOLUMNE

Bei Aktien zählt die gute Bilanz mehr denn je

Wer in diesen Zeiten noch Aktien kaufen will, sollte auf die Bilanzen der ausgewählten Unternehmen achten.

Von Jens Ehrhardt

Nach der Kurshalbierung der Aktienmärkte in diesem Jahr sind besonders europäische Aktien attraktiv. Die Dividendenrendite dieser Aktien ist im Durchschnitt 1,5 mal so hoch wie die Rendite langlaufender Staatsanleihen. Generell gilt in der gegenwärtigen Finanzkrise: Zu bevorzugen sind gezielte, gut ausgewählte Engagements in analytisch günstigen Titeln. Nicht nur in Europa, sondern auch in Asien sind Aktien verfügbar, die mit einem Bruchteil der bilanziellen Buchwerte bewertet sind. Aktien mit extrem guten Bilanzen dürften im Gegensatz zum Gesamtmarkt kaum noch Kursrisiken bergen.

Eine echte Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten dürfte allerdings nur dann möglich sein, wenn einerseits die internationale Zinssenkungspolitik auch konjunkturell Früchte trägt. Und wenn andererseits die Staatsausgaben deutlich erhöht werden. Mit niedrigen Zinsen und einem hohen Geldangebot wurde der vergangene Aufschwung ermöglicht. Und mit ihnen würde auch jetzt wieder die Kreditvergabe angekurbelt werden. Allerdings würden sie auch die Verschuldung privater Haushalte wieder befördern. Jener Faktor also, der zur heutigen Krise geführt hat, brächte zunächst einen konjunkturellen Aufschwung, allerdings mit dann noch größeren Gefahren für den nächsten Einbruch. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass es sich bei geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen inzwischen um stumpfe Waffen handelt, mit denen sich das Ruder nicht mehr herumreißen lässt.

Für die Börsen bleibt der US-Markt Belastungsfaktor. Auszuschließen ist nicht, dass sich der Quotient aus dem Wert aller US-Aktien bezogen auf die US-Wirtschaftsleistung nochmals halbieren wird. Derzeit liegt er bei 70 Prozent, er könnte aber auch noch auf 40 Prozent zurückgehen. Eine solche Entwicklung wäre dann aber fundamental übertrieben.

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