Ärzte Zeitung online, 04.12.2008

Finanzkrise kostet Elite-Universität Harvard Milliarden

HARVARD (eb). Die Folgen der Finanzkrise schlagen auch bei den US-amerikanischen Hochschulen durch: Rund acht Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) hat die amerikanische Eliteuniversität Harvard bei Finanzgeschäften in den vergangenen vier Monaten verloren. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Bezug auf die "New York Times". Auch andere Elite-Unis haben sich offenbar verspekuliert. Jetzt drohen drastische Einschnitte, von denen vor allem die Studenten betroffen wären.

Bislang habe der 36,9 Milliarden Dollar (29,1 Milliarden Euro) schwere Investmentfonds "Harvard Management Company" (HMC) 22 Prozent an Wert verloren, zitiert die "New York Times" aus einem Schreiben von Universitäts-Präsidentin Drew Faust an Harvard-Mitarbeiter. Bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres im Juni 2009 könne der Verlust sogar 30 Prozent betragen.

Harvard finanziert rund ein Drittel seiner operativen Kosten von rund drei Milliarden Dollar aus dem Vermögen des Investmentfonds. Neben Aktien hat der Fonds in der Vergangenheit in Immobilien, Rohstoffe sowie Private-Equity-Beteiligungen investiert. Als Reaktion auf die starken Verluste will die Universität unter anderem Beteiligungen im Wert von 1,5 Milliarden Dollar verkaufen, schreibt die "New York Times". Ursprünglich war geplant, die Private-Equity-Beteiligungen um zwei Prozent aufzustocken.

Weniger Geld für Studenten?

Bei anderen Privat-Universitäten sieht es offenbar nicht besser aus als in Harvard. Laut "Spiegel Online" hat beispielsweise das Dartmouth College in New Hampshire 220 Millionen Dollar (173,5 Millionen Euro) verloren, die kalifornische Hochschule Stanford hat angekündigt, ihr Budget um 45 Millionen. Dollar zu kürzen. Die Rating-Agentur Moody´s Investors Service habe errechnet, dass den US-Unis allein in diesem Jahr ein Minus von 30 Prozent beim Vermögen drohe.

Die Verluste würden "erheblichen Einfluss" auf die Budgets haben, prophezeite Harvard-Präsidentin Faust laut "Handelsblatt" in dem Brief an ihre Mitarbeiter. In welchen Bereichen es in Harvard zu Kürzungen kommt, ist bislang aber noch unklar. Denkbar wäre laut "Times", dass die Hochschule ihr Programm zur Unterstützung von Studenten aus unteren Einkommensgruppen zurückfährt, die sich die fürstlichen Studiengebühren von 45 600 Dollar pro Jahr nicht leisten könnten. Außerdem könnten die Gebühren angehoben werden.

Die selbst verschuldeten Verluste sind nicht das einzige Problem, das Harvard und die anderen Hochschulen in die finanzielle Bredouille bringt: Auch die Zurückhaltung von früher großzügigen Spendern könnte Einbußen bedeuten, so die "Times". Ebenso würden staatliche Zuschüsse angesichts der Finanzkrise spärlicher fließen.

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