Ärzte Zeitung online, 12.01.2009

Privatuni Witten Herdecke weiter in Finanznot

WITTEN/HERDECKE (eb). Die private Universität Witten/Herdecke hat erstmals den Finanzbedarf für ihre Rettung genannt. Nach Angaben der Universität braucht die Uni 20 Millionen Euro zur Rettung.

Die von der Pleite bedrohte Privatuni Witten/Herdecke hat erstmals den Finanzbedarf für ihre Rettung beziffert. "Wir müssen in drei Jahren auf gesunden Beinen stehen. Wir müssen in diesem Zeitraum einen vorläufigen Finanzbedarf von rund 20 Millionen Euro mit Hilfe von Investoren abdecken", sagte der neue kaufmännische Geschäftsführer der Hochschule, Michael Anders, der Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe).

Jetzt komme es darauf an, für ein neues Konzept "jeden Stein" umzudrehen, sagte Anders, der seit wenigen Tagen die Geschäfte der Privatuni führt. Er spüre aber bei allen Betroffenen, den Mitarbeitern und Studenten, einen großen Reformwillen.

Im Dezember stoppte die nordrhein-westfälische Landesregierung ihren jährlichen Zuschuss von 4,5 Millionen Euro und verlangte eine bessere Finanzplanung. Der Präsident der Universität, Birger Priddat und sein Stellvertreter Maxim Nohroudi waren daraufhin von ihren Ämtern zurückgetreten. Kurz vor Weihnachten war die Zahlungsunfähigkeit der Privatuni vorläufig abgewendet worden (wir berichteten).

Mehrere Sponsoren hatten die Zahlungsfähigkeit vorerst gesichert, wie der nordrhein-westfälische Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am 23. Dezember nach einer nächtlichen Krisensitzung erklärt hatte. Für 2009 und 2010 sagte er unter bestimmten Maßgaben wieder Landesmittel in Höhe von jeweils 4,5 Millionen Euro für die Uni zu. Die Hilfe für 2008 war wegen einer vermeintlich nicht ordnungsgemäßen Geschäftsführung gestrichen worden.

Anders räumte ein, dass sich die Verhandlungen mit drei bis vier potenziellen Investoren schwierig gestalteten: "Es braucht eine hohe Verhandlungskunst, um die unterschiedlichen Interessen der potenziellen Partner so miteinander zu verbinden, dass jeder davon profitiert", erklärte er. Eines müsse allen Interessenten klar sein: "Mit der Privatuniversität lässt sich keine Rendite erwirtschaften."

Als potenzielle strategische Partner wurden die Heidelberger Stiftung SRH Holding, die Software AG Stiftung aus Darmstadt und der Gemeinnützige Verein zur Entwicklung von Gemeinschaftskrankenhäusern Herdecke genannt. Die Höhe der Beiträge der Sponsoren wurde nicht bekannt gegeben.

Einige einschneidende Veränderungen deuten sich dem Zeitungsbericht zufolge nach den ersten Verhandlungsrunden bereits an: Die Zahl der bisher rund 1100 Studierenden und auch die Studienbeiträge dürften erheblich steigen, hieß es.

Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) zufolge werden sich am 22. Januar mögliche Investoren und Vertreter der Uni im Wissenschaftsministerium treffen, um eine langfristige Lösung zu finden.

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