Ärzte Zeitung, 29.01.2009

Uni Lübeck kämpft mit zu vielen Medizinstudenten

Neuer Andrang gefährdet Qualität des Studiums und kostet Hochschule und Studenten zusätzliches Geld

LÜBECK (di). Medizinstudenten zieht es an die schleswig-holsteinischen Universitäten. Die müssen den Ansturm ohne zusätzliche Mittel verkraften - zwischen Lübeck und dem Land ist es deswegen zum Streit gekommen.

60 zusätzliche Medizinstudenten im ersten klinischen Semester: Diese Kapazitätsausweitung sorgt an der Universität Lübeck für Kopfzerbrechen bei den Verantwortlichen. Denn der Andrang bedeutet für die Hansestadt eine Erhöhung der Studienplätze um 30 Prozent von zuvor 180 auf nun 240 - ohne dass das Land die Mittel für Forschung und Lehre aufstockt.

Die Uni warnt deshalb vor den Folgen: "Entweder verschlechtert sich die Qualität des Medizinstudiums oder die Studiendauer verlängert sich", sagt der Lübecker Studiendekan Professor Jürgen Westermann. Er hält Universität und Fakultät für "dramatisch unterfinanziert". Westermann prophezeit, dass die Studiendauer im Norden um durchschnittlich 1,5 Jahre zunehmen wird, weil die Uni keine zusätzlichen Mittel für die Ausbildung bekommt. Die finanziellen Folgen dieser Verlängerung für Studenten und Eltern beziffert er auf rund 20 000 Euro.

Die höhere Studentenzahl ist Ergebnis einer steigenden Patientenzahl am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), das Standorte in Kiel und Lübeck hat. Denn Patienten- und Studentenzahl sind in einem bestimmten Verhältnis aneinander gekoppelt - je besser also die Bettenauslastung, desto überfüllter sind die Hörsäle. Abweisen kann die Uni die Studenten nicht, Anwälte haben die Studienplätze vereinzelt schon eingeklagt.

Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Werner Marnette reagierte mit "großem Befremden" auf die Vorwürfe aus Lübeck. Er warf den Lübecker Verantwortlichen vor, den eigenen Standort schlecht zu reden. Das Ministerium veranlasst nun eine Prüfung, ob die Zahl der Studienplätze richtig errechnet wurde. Nach Auskunft des Ministeriums gibt es an der Kieler Universität, wo 40 zusätzliche Studenten in der klinischen Phase einsteigen, keine Probleme.

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