Ärzte Zeitung, 02.02.2009

Immobilienaktien sind wieder im Aufwind

Analysten raten langfristig orientierten Anlegern zum Einstieg in ausgewählte Immobilienaktien. Nach den hohen Kursverlusten der letzten beiden Jahre seien viele Papiere wieder attraktiv bewertet.

Von Richard Haimann

Die großen Kurseinbrüche bei Immobilienaktien scheinen vorbei zu sein, zumindest bei soliden Papieren geht es wieder bergauf.

Foto: Franz Pfluegl©www.fotolia.de

"Die Immobilienaktien haben das schlimmste hinter sich", sagt Dieter Thomaschowski, Analyst bei Investment Research in Change (IRIC). Die Börsenkurse deutscher Immobiliengesellschaften sind nach Berechnungen von Global Property Research (GPR) seit Anfang 2007 im Schnitt um 77,5 Prozent gefallen. Seit dem starken Einbruch an den Aktienmärkten im November vergangenen Jahres haben die Papiere allerdings Kursgewinne von durchschnittlich 42 Prozent erzielt und damit deutlich besser abgeschnitten als der Deutsche Aktienindex (Dax). "Börsianer haben erkannt, dass der Ausverkauf bei den Immobilienaktien übertrieben war", sagt Thomaschowski. "Die Kurse der Papiere sind weit stärker gefallen als die Immobilienpreise."

Analysten sprechen von attraktiven Dividenden

Im Schnitt hätten deutsche Wohn- und Gewerbeobjekte seit dem Ende des Investmentbooms am Immobilienmarkt nur rund 20 Prozent an Wert verloren. "Fast alle Immobilienaktien notieren derzeit mit deutlichen Abschlägen auf den Nettovermögenswert", sagt der Analyst. Zudem würden viele Papiere auf dem gegenwärtigen Kursniveau attraktive Dividenden ausschütten.

Frank Neumann, Analyst beim Bankhaus Lampe, rät jedoch davon ab, jetzt noch in Immobilienaktien einzusteigen, die seit dem Tief im November sehr hohe Kursgewinne verzeichnet haben. Die Börsennotierungen von Werten wie Deutsche Wohnen (ISIN: DE000A0HN5C6) und Gagfah (LU0269583422) haben sich seither zeitweise verdoppelt. Neumann: "Das weitere Kurssteigerungspotenzial scheint damit begrenzt."

Was sich lohnt und was nicht

Die Wohnungsholding Gagfah biete auf dem aktuellen Kursniveau von rund drei Euro zwar eine Dividendenrendite von 26 Prozent. Allerdings müsse die Gesellschaft 2013 einen Kredit über 5,6 Milliarden Euro refinanzieren. "Angesichts der Finanzkrise lässt sich nicht absehen, welche Zinskosten danach auf der Gesellschaft lasten werden", sagt der Analyst. Möglicherweise müsse die Dividende von 0,80 Euro deutlich gekürzt werden.

Zum Kauf rät Neumann hingegen bei der DIC Asset (DE0005098404). Die auf Gewerbeimmobilien fokussierte Gesellschaft werde zwar durch die Wirtschaftskrise dieses Jahr einen Rückgang der Mieteinnahmen verzeichnen. Allerdings habe das Unternehmen bereits zuvor die Immobilien in den Büchern deutlich abgewertet. Neumann: "Dadurch scheint die Dividendenzahlung nicht gefährdet." Den fairen Wert der Aktie sieht der Analyst bei 9,5 Euro. Aktuell notiert das Papier unter fünf Euro.

Thomas Martin, Analyst bei HSBC, empfiehlt den Einstieg in die Aktie von Alstria Office (DE000A0LD2U1). Die Gesellschaft hat rund die Hälfte ihres Büroimmobilienportfolios langfristig an die Städte Hamburg und Hannover vermietet. Martin: "Damit ist ein stabiler Kapitalstrom aus Mieteinnahmen garantiert."

Zudem verfügt die Gesellschaft über den Steuer optimierten Status eines Real Estate Investment Trusts (REIT). Als solcher muss sie ihre Gewinne nicht versteuern, sondern zu 90 Prozent an die Aktionäre ausschütten. Finanzvorstand Alexander Dexne hat bereits angekündigt, dass es bei den in diesem Jahr erfolgenden Dividendenzahlungen für 2008 keine böse Überraschung geben wird: "Die starken Kapitalströme erlauben es uns, die Dividende mit 28 Millionen Euro auf dem Niveau von 2007 zu halten." Analyst Martin sieht den fairen Kurs der Aktie bei sechs Euro. Aktuell notiert das Papier bei rund 4,60 Euro.

IVG-Aktie wird von Experten skeptisch betrachtet

Skeptisch sehen eine Reihe von Analysten die IVG. "Die Gesellschaft muss demnächst Kredite über 1,2 Milliarden Euro refinanzieren", sagt JP-Morgan-Experte Harm Meijer.

Da Banken wegen der Finanzkrise derzeit hohe Risikozinsaufschläge verlangen, könnten die Kreditkosten für die IVG deutlich steigen. Auch HSBC-Analyst Martin rät von dem Papier ab: "Die ungelösten Refinanzierungsfragen lasten auf der Aktie."

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