Ärzte Zeitung, 29.06.2009

Banken entgingen nur knapp einer Katastrophe

NEU-ISENBURG (eb). Die deutschen Sparer standen im Herbst 2008 offenbar kurz davor, die Banken zu stürmen und ihre Einlagen abzuheben. Das berichtete die FAZ am Sonntag mit Hinweis auf einen Bericht der Deutschen Bundesbank. Trotz des Versprechens der Regierung, dass alle Spareinlagen garantiert seien, seien auch in den Tagen danach die Abhebungen abnorm hoch gewesen. Erst der Bankenrettungsfonds habe die Lage beruhigt. Um keine Panik zu schüren, sei die Öffentlichkeit über diese Vorgänge nicht informiert worden.Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtete, seien die Sparer nicht so besonnen und ruhig gewesen, wie es oft dargestellt wurde.

Vielmehr habe der erste Ansturm auf Banken eingesetzt, als Ende September die Fast-Pleite der Hypo Real Estate (HRE) bekannt wurde. Viele Sparer begannen damals, ihr Guthaben von den Konten abzuheben. Nach dem Bericht der Bundesbank, bei der sich die betroffenen Geldinstitute mit Bargeld eindeckten, seien vor allem 500-Euro-Scheine ausgegeben worden. Offenbar waren viele Bürger der Ansicht, dass diese großen Scheine sich leichter unter der Matratze lagern ließen als viele kleine Scheine.

Die Unruhe habe in den folgenden Tagen immer mehr zugenommen, Am 2. Oktober sei der Überschuss der Auszahlungen von Bargeld im Vergleich zu den Einzahlungen bei der Bundesbank schon mehr als viermal so hoch gewesen im Vergleichszeitraum 2007. Am 5. Oktober schließlich hätten Bundesbankpräsident Axel Weber und der Chef der Bankenaufsicht, Jochen Sanio, der Regierung empfohlen, eine Garantie für die Spareinlagen abzugeben. Der Empfehlung kam Bundeskanzlerin Angela Merkel noch am gleichen Tag nach.

Allerdings ohne erkennbare Wirkung: Die Barabhebungen in den Banken halten an und nehmen sogar weiter zu. Am 8. Oktober, so die FAS, trafen sich die Kanzlerin und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mit den Herausgebern und Chefredakteuren der wichtigsten deutschen Medien mit der Bitte, zurückhaltend zu berichten und keine Panik zu schüren. Erst, nachdem am 13. Oktober der Bankenrettungsplan beschlossen wurde, seien die Abhebungen zurückgegangen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vorhofflimmern schlägt aufs Hirn

Nicht nur ein Risikofaktor für Schlaganfall: Vorhofflimmern ist auch für das Gehirn gefährlich. Angststörungen und kognitive Einschränkungen sind Nebenwirkungen, so eine Studie. mehr »

Gericht urteilt über Diesel-Fahrverbote

Müssen Städte die Feinstaub-Notbremse ziehen und Diesel-Fahrzeuge aus den Innenstädten verbannen? Bejaht das Bundesverwaltungsgericht dies, könnte auch die Gesundheitswirtschaft in die Bredouille kommen. mehr »

Bei Diabetes "nicht gleich mit Verboten kommen!"

Professor Hellmut Mehnert ist eine wahre Kapazität auf dem Gebiet der Diabetologie. Anlässlich seines 90. Geburtstags sprach die "Ärzte Zeitung" mit ihm über Patienten-Motivation, Defizite und neue Therapie-Optionen. mehr »