Ärzte Zeitung online, 07.07.2009

Bundesbank sieht Anstieg der Schattenwirtschaft

FRANKFURT/MAIN (dpa). Immer mehr Bargeld in Deutschland geht nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank am Fiskus vorbei. Dies lege ein Vergleich der ausgegebenen Bargeldnoten mit den getätigten Transaktionen in bar von 1998 und 2008 nahe, erläuterte Bundesbank-Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin am Dienstag in Frankfurt.

"Man könnte natürlich annehmen, dass die Rentner des Jahres 2008 doppelt so viel Bargeld vorhalten wie die Rentner aus dem Jahr 1998, aber das erscheint mir relativ unwahrscheinlich", sagte der frühere Finanzsenator Berlins. Deshalb müsse man davon ausgehen, dass das Geld in der Schattenwirtschaft etwa für Schwarzarbeit oder von Kriminellen ausgegeben werde.

Nur zehn Prozent der von der Bundesbank ausgegebenen Banknoten würden tatsächlich für Bareinkäufe verwendet. 2008 habe sich dieser Betrag auf 31 Milliarden Euro belaufen. Er sei seit 1998 ähnlich wie die Einkommen um etwa 20 bis 25 Prozent gestiegen. Der Wert der ausgegebenen Banknoten habe sich in dieser Zeitspanne hingegen auf 328 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Nach Schätzung der Bundesbank fließen davon - neben den Bar-Geschäften - netto 75 bis 80 Milliarden Euro ins Ausland ab. Der Rest und damit mehr als die Hälfte des Bargeldumlaufs und ein Batzen von geschätzt mehr als 180 Milliarden Euro werde entweder zu Hause gehortet oder am Staat vorbei ausgegeben.

Nach Sarrazins Worten werden etwa Ferienhäuser in Spanien im großen Umfang von Deutschen in bar bezahlt. Auch Handwerkerarbeiten würden häufig "ohne Mehrwertsteuer" abgewickelt. Deshalb gingen dem Staat allein bei der Umsatzsteuer jährlich mehrere Milliarden Euro durch die Lappen, sagte Sarrazin. Er erwartet, dass sich der Trend weiter verstärkt: "Wenn der Steuerdruck steigt - und das ist zu befürchten - wächst die Tendenz, diesem auszuweichen."

Der für provokante Äußerungen bekannte Sarrazin verantwortet seit Mai dieses Jahres bei der Bundesbank die Bereiche Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling.

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