Ärzte Zeitung, 27.07.2009

Inflationsangst treibt Anleger in Immobilien

Eigentumswohnungen, Miethäuser und Fonds liegen bei vermögenden Anlegern hoch im Kurs. Experten warnen vor übereilten Investments.

Von Richard Haimann

Inflationsangst treibt Anleger in Immobilien

Nicht jede Immobilie ist eine sichere Anlage.

Foto: emeraldphoto©www.fotolia.de

Die Angst vor der Inflation treibt immer mehr vermögende Privatanleger in Wohnimmobilien. "Die Nachfrage nach Eigentumswohnungen und Mehrfamilienhäusern ist in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen", sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident der Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland (IVD).

Die Anleger reagieren damit auf die milliardenschweren Hilfspakete der Regierungen und Notenbanken rund um den Globus zur Stützung der Finanzwelt und der Realwirtschaft. In der Vergangenheit haben hohe Ausweitungen der Geldmenge und stark steigende Staatsverschuldungen oftmals die Teuerungsraten explodieren lassen.

"Um ihr Kapital zu schützen, erwerben immer mehr vermögende Privatinvestoren Eigentumswohnungen und ganze Miethäuser im konjunkturresistenten Hochpreissegment", sagt Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Maklerhauses. Davon profitieren auch börsennotierte Immobilienunternehmen wie der Bau-Verein. "Wir verzeichnen eine immense Nachfrage nach Eigentumswohnungen in besten Lagen", so Vorstand Andreas Ibel. Im ersten Quartal konnte die Gesellschaft deshalb ihre Verkaufsumsätze gegenüber dem Vorjahr von 4,9 Millionen Euro auf 20,6 Millionen Euro vervierfachen.

Zudem treibt die Inflationsangst den Absatz der neuen geschlossenen Wohnimmobilienfonds in die Höhe: Hamburg Trust konnte in nicht einmal zwei Monaten 13,9 Millionen Euro bei Privatanlegern für ein Neubau-Projekt mit 155 Wohnungen in Hamburg-Bergedorf einsammeln. Der nächste Fonds investiert 60 Millionen Euro in eine Projektentwicklung im Hamburger Stadtteil Winterhude mit 182 Mietwohnungen. "Im vierten Quartal dieses Jahres werden wir den Fonds anbieten", sagt Marketingchefin Claudia Kruse-Madsen.

Auch das Maklerhaus Engel & Völkers ist jetzt in das Fondsgeschäft eingestiegen, bietet über seine neue Tochter Engel & Völkers Capital den "Deutschen Wohnfonds   01: Metropolregionen" an. Für 41,5 Millionen Euro sollen Mehrfamilienhäuser in attraktiven Lagen in den mit wachsenden Einwohnerzahlen aufwartenden Ballungsgebieten Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln/Bonn und Wiesbaden erworben werden.

Anleger, die die Sicherheit des Betongolds suchen, sollten in Miethäuser oder Wohnimmobilienfonds investierten, sagt Christian Wittke, Anlageexperte der Berenberg Bank. "Mehrfamilienhäuser haben für vermögende Privatinvestoren den Charme, dass sie allein über die Objekte verfügen und sie auch jederzeit verkaufen können." Ein Fonds wiederum biete den Vorteil, bereits mit vergleichsweise kleinen Beträgen in das Wohnimmobiliensegment einzusteigen. Die Mindestanlagesumme beträgt bei den Anbietern 25 000 Euro zuzüglich fünf Prozent Agio.

Von Eigentumswohnungen raten Experten hingegen ab: "Hier gibt es sofort Einnahmeverluste, wenn ein Mieter nicht zahlt oder auszieht, ohne dass sofort ein Nachfolger gefunden wird", sagt Thomas Beyerle, Chefresearcher der Investmentgesellschaft Degi.

Aber auch bei Wohnimmobilienfonds rät er zur Vorsicht: "Die Produkte sind so neu, dass die Chancen und Risiken noch nicht beurteilt werden können." Zudem könnten Anteile geschlossener Immobilienfonds oft nur mit Schwierigkeiten und Wertabschlägen am Zweitmarkt veräußert werden.

Günter Vornholz, Leiter Immobilienresearch bei der NordLB-Tochter Deutsche Hypo, hält die Angst vor der Teuerung für unbegründet: "Die Notenbanken werden überschüssiges Kapital wieder einsammeln, um eine Inflation zu verhindern." Es gebe deshalb keinen Grund für übereilte Investments. Vornholz: "Wer wirklich in Immobilien gehen will, kann deshalb in Ruhe prüfen, ob eine Wohnung, ein Miethaus oder ein Fonds für ihn am besten ist."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Borderline und Psychosen "heilen" mit Antiepileptika

Manche psychisch Kranken brauchen keine Neuroleptika, sondern Antikonvulsiva. Tauchen im EEG bestimmte Muster auf, ist das ein Hinweis auf eine paraepileptische Psychose. mehr »

Epilepsierisiko nach Sepsis erhöht

Überleben Patienten eine Sepsis, ist die Gefahr epileptischer Anfälle in den folgenden Jahren vier- bis fünffach erhöht. mehr »

PKV muss für unverheiratete Paare zahlen

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe ist die Beschränkung der Kostenerstattung für eine künstliche Befruchtung auf Ehepaare in der PKV unzulässig. mehr »