Ärzte Zeitung online, 14.09.2009

Ein Jahr nach der Lehman-Pleite: Anleger fühlen sich von Banken verschaukelt

FRANKFURT AM MAIN (dpa). Vor einem Jahr ging die Investmentbank Lehman Brothers spektakulär pleite. Anleger, die durch die Insolvenz zum Teil viel Geld verloren haben, fühlen sich nach wie vor von Banken und Politik in Stich gelassen.

"Wir fordern nach wie vor die komplette Rückabwicklung der Zertifikate", sagte Peter Kyritz von der Interessengemeinschaft (IG) Lehmangeschädigte in Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Zusammenschluss organisiert am Dienstag in der Bankenstadt eine Demonstration, zu der mehrere hundert Teilnehmer erwartet werden.

Mit dem Zusammenbruch der New Yorker Investmentbank am 15. September 2008 wurden die als hochrentabel verkauften Inhaberschuldverschreibungen über Nacht faktisch wertlos. Verbraucherschützer gehen von rund 40 000 Geschädigten allein in Deutschland aus.

Bisher geleistete Entschädigungen der Banken nannte Kyritz "völlig unzureichend". Sie verschanzten sich hinter ungenügenden Kulanzregeln. Im Fall der Frankfurter Sparkasse, die rund 5000 Kunden mit Lehman-Papieren versorgte und etwa zehn Prozent der Kunden unterschiedlich hohe Entschädigungen zahlt, seien die Kriterien nicht nachvollziehbar. Auch mit dem Versuch der Citibank, mit Hilfe der Verbraucherschutzzentrale ein Entschädigungssystem aufzubauen, seien die Leute nicht zufrieden.

Die Prozesse enttäuschter Anleger gegen ihre Banken seien zwar bislang hoffnungsvoll verlaufen, aber meist noch nicht rechtskräftig, sagte Kyritz. "Derzeit werden vor allem wegen des meist sehr fortgeschrittenen Alters der Anleger zahlreiche Vergleiche geschlossen, so dass die Banken um den öffentlichen Vorwurf der Falschberatung in vielen Fällen herumkommen." Die besten Klageaussichten aufgrund irreführender Prospekte hätten die Kunden der Fraspa und der Dresdner Bank, während sich Kunden der Citibank eher auf Fehler im Beratungsgespräch beziehen müssten.

Der Politik hielt Kyritz vor, zu wenig für den Schutz der Verbraucher zu tun. Die vorgeschlagenen Regelungen zur verbesserten Transparenz von Finanzprodukten seien zwar richtig, gingen aber an der Lebensrealität vor allem älterer Bankkunden vorbei, die seit Jahrzehnten ihren Beratern vertraut hätten. "Im Zweiergespräch unterschreiben die Leute im Zweifel alles", meinte Kyritz und verlangte ein Verbot, die umstrittenen Zertifikate überhaupt an Privatanleger zu verkaufen.

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