Ärzte Zeitung online, 21.09.2009

Sparkasse Hannover geht auf Lehman-Geschädigte zu

HANNOVER (dpa). Die Sparkasse Hannover geht beim Thema Lehman-Papiere in die Offensive: Das Institut bietet rund 1000 Kunden, die Anleihen oder Zertifikate von der Pleite-Bank erworben hatten, einen Vergleich an.

"Wir wollen einen Schlussstrich ziehen", sagte der Vorstandschef der Sparkasse Hannover, Walter Kleine, am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Sparkasse wolle mit dem Schritt einen jahrelangen Rechtsstreit vermeiden. Das Angebot richte sich auch an die rund 60 Kunden, die mit dem Vorwurf falscher Beratung gegen die Sparkasse geklagt hatten.

Das Angebot sei bundesweit bislang einmalig, sagte Kleine. Es sieht vor, dass Kunden für Lehman-Papiere, die vor dem 16. März 2008 - dem Beinahe-Kollaps der Investmentbank Bear Stearns - erworben wurden, 50 Prozent des Nominalwerts bekommen. Für später erworbene Papiere zahlt ihnen die Sparkasse 75 Prozent des Werts. Das Angebot ist befristet bis zum 16. November 2009.

"Wir gehen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der Betroffenen das Angebot annehmen", sagte Kleine. Die Sparkasse habe Lehman-Papiere im Volumen von 30 Millionen Euro an Kunden verkauft. Der Rückkauf belaste das Ergebnis der Bank mit rund 18 Millionen Euro. Der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 hatte die weltweite Finanzkrise dramatisch verschärft.

"Das Angebot ist kein Schuldeingeständnis der Sparkasse", sagte Kleine. Es sei daher nicht als Entschädigung zu verstehen. Kleine sprach von einer vertrauensbildenden Maßnahme. "Das Vertrauen unserer Kunden ist unser Kernkapital. Es geht um Reputation und Image."

Das Angebot der Sparkasse Hannover richte sich ausnahmslos an alle Kunden, die bei der Sparkasse Lehman-Papiere erworben hätten. "Wir wollen eine saubere und transparente Lösung." Dies sei der Unterschied zu Vergleichsangeboten anderer Institute, die eine differenzierte Entschädigung vorsehen, die zum Beispiel von der sozialen Situation des Betroffenen abhängig ist. Die Sparkasse Hannover hat rund 450 000 Kunden und ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland.

Verbraucherschützer gehen von rund 40 000 Kunden alleine in Deutschland aus, denen Anleihen oder Zertifikate von Lehman meist als sichere Anlage empfohlen wurden. Diese waren nach dem Zusammenbruch der Bank nahezu wertlos geworden.

Lesen Sie dazu auch:
Ein Jahr nach der Lehman-Pleite: Anleger fühlen sich von Banken verschaukelt

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