Ärzte Zeitung, 12.10.2009

Anlagen-Kolumne

Gold hat für Anleger nichts von seinem Glanz verloren

Von Jens Ehrhardt

Für Anleger bietet Gold seit dem vergangenen Jahr gute Aussichten auf ein erfolgreiches Investment. Auch in Zukunft dürfte Gold eine gute Entscheidung sein.

Gold ist die einzige Anlage, deren Kurs sowohl 2008 als auch 2009 zulegte. Dabei fielen die Wertzuwächse mit drei Prozent in 2008 und 20 Prozent im bisherigen Jahresverlauf so hoch aus, dass ein weiteres Kurspotenzial gegeben ist. Kurzfristig sind die weiteren Kursbewegungen äußerst schwer einzuschätzen, auf mittlere und längere Sicht ist es aber schwer vorstellbar, dass der Goldpreis nicht deutlich anzieht.

Wesentlich ist die Tatsache, dass die Notenbanken, die in den vergangenen Jahren durch Gold-Verkäufe die Notierungen drückten, heute nicht willens und fähig sind, den Goldpreisanstieg zu bremsen. Die Amerikaner werden ihr Gold keineswegs verkaufen, da sie sonst kaum Währungsreserven besitzen und ein Goldverkauf das letzte Vertrauen in den Dollar beseitigen könnte. Die Europäer haben - abgesehen von der Deutschen Bundesbank - ihre Goldbestände zu einem großen Teil bereits verkauft.

Auf der Nachfrageseite gewinnt die Tatsache an Bedeutung, dass die Chinesen Sachwerte, wie Immobilien und Gold, als neue Sparform entdecken. Mit dem wachsenden Reichtum der chinesischen Mittelschicht wird Gold immer beliebter. Wie anderswo auch, spielt China auch hier eine immer wichtigere Rolle.

In der Vergangenheit war oft die Inflation ursächlich für steigende Goldnotierungen. Insofern ist auf den ersten Blick verwunderlich, wie sich der aktuelle Goldpreisanstieg mit weltweit stagnierenden oder fallenden Konsumentenpreisen vereinbaren lässt. Wesentlich ist hierbei, dass der Goldpreis weit mehr auf die erwarteten als auf die aktuellen Inflationsraten reagiert. In die Zukunft blickend ist kaum anzunehmen, dass die riesigen, von den Notenbanken gedruckten Geldbeträge, dauerhaft zinslos auf den Girokonten der Anleger herumliegen. Früher oder später dürften die Inflationsraten wieder deutlich anziehen. Die Konsumentenpreise werden vermutlich aufgrund der Überkapazitäten nicht so schnell steigen, aber die Vermögenspreisinflation bei knappen Gütern, wie Gold, ausgesuchten Immobilien und werthaltigen Aktien, sollte jedoch früher einsetzen.

Die Nachfrage nach Gold dürfte also in den kommenden Jahren deutlich zulegen. Auf der Angebotsseite muss man sich vor Augen halten, wie "klein" der Goldmarkt ist. Die Gold-Jahresproduktion beläuft sich wertmäßig mit rund 50 Milliarden Euro auf weniger als ein Prozent des Wertes jährlich neu emittierter Anleihen.

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