Ärzte Zeitung, 26.10.2009

Die große Angst vor einer Hyper-Inflation ist unbegründet

Die Sorge vor einer hohen Inflation geht um bei den Anlegern. Wie realistisch ist dieses Szenario? Und wie kann man sich dagegen wappnen?

Von Jürgen Lutz

Die große Angst vor einer Hyper-Inflation ist unbegründet

Wenn die große Inflation kommt, verbrennt sie das Geld der Sparer. Noch ist Zeit, um in inflationssichere Anlagen zu investieren.

Foto: unpict©www.fotolia.de

Inflation ist eine Steuer ohne gesetzliche Grundlage. Sie bedroht vor allem Zinsanlagen. Gerade Spargroschen auf Tages- und Festgeldkonten verlieren durch die Inflation an Kaufkraft und sind daher für die langfristige Vermögensbildung nicht geeignet. Im Augenblick ist die Inflation noch gering, doch viele Anleger befürchten, dass die hohen Staatsschulden und das billige Geld der Notenbanken schon bald zu einer hohen Inflation führen könnte.

Vom diesem Szenario der Hyperinflation hält Michael Dutz nichts. "Wir werden keine hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Inflationsraten bekommen", sagt der Vorstand der Adlatus AG mit Hauptsitz in Leipzig. Dennoch geht der bankenunabhängige Vermögensverwalter davon aus, dass das Thema Geldentwertung 2010 wieder aufs Tapet kommt - allerdings mit Inflationsraten zwischen zwei und drei Prozent pro Jahr in Deutschland. Dutz: "Wir kehren bei der Inflation zur Normalität zurück."

Mehrere Gründe sprechen nach seinen Worten dafür. So ist die Produktion wegen Werksschließungen und Kurzarbeit merklich gesunken. Andererseits haben die Rohstoffpreise, die den Verbraucherpreisen in der Regel etwa drei Monate vorauslaufen, schon deutlich zugelegt. Und durch die massiven Geldspritzen der Notenbanken sei viel Geld vorhanden. Ergebnis dieser Kombination: Relativ viel Geld steht relativ wenigen Gütern und Dienstleistungen gegenüber - "das wirkt in einigen Monaten preistreibend", so Dutz.

Jürgen Schneider sieht das ähnlich. Der Vorstand der bundesweit tätigen SRQ FinanzPartner AG geht davon aus, dass die Notenbanken rechtzeitig gegensteuern und Geld aus dem Markt nehmen, wenn die Wirtschaft sich erholt. "Ich erwarte bei der Geldentwertung eine Bandbreite von zwei bis vier Prozent", sagt Schneider. Eine Deflation, also einen dauerhaften Rückgang der Güterpreise und damit einen kontinuierlichen Anstieg der Kaufkraft pro Euro, halten Schneider wie auch Dutz für ausgeschlossen - auch wenn derzeit die Teuerungsraten negativ sind, die Kaufkraft also zunimmt.

Wie sollten Anleger und Sparer ihr Vermögen angesichts dieser Szenarien ausrichten? "Das hängt in allererster Linie von den Zielen und dem Risikoprofil des Anlegers ab", sagt Michael Dutz. Für konservative Anleger, die vor allem auf kontinuierliche Zinserträge achten, sei wichtig, die Diskrepanz zwischen niedrigen Leitzinsen und anziehender Inflation im Blick zu behalten. Dutz: "Wer Zinsen zwischen einem und 1,5 Prozent kassiert, wenn die Geldentwertung drei Prozent beträgt, verliert Kaufkraft." Konservative Anleger sollten daher nur die besten Festgeld-Angebote in Erwägung ziehen oder rechtzeitig auf die Suche nach Alternativen gehen.

Für interessant hält der Vermögensverwalter etwa Anleihen von Banken mit Kapitalgarantie und Zinsen zwischen 2,5 und fünf Prozent. Schneider empfiehlt konservativen Naturen einen Mix aus Termingeld, Anleihen ausgesuchter Unternehmen, Immobilienfonds und physischem Gold. Bei den Anleihen sollte die Laufzeit bis zur ordentlichen Rückzahlung maximal zwischen drei und fünf Jahre betragen.

Eine Ansicht, die auch Dutz vertritt, denn er rät risikobereiten Anlegern zur Streuung des Vermögens auf fünf Anlagearten: Tagesgeld für den Bedarf der nächsten drei Monate, Termin- und Festgeld für den darüber hinausgehenden liquiden Bedarf sowie Immobilen- und Aktienfonds. Die fünfte Tranche würde er in einen breit streuenden Rohstoff-Index investieren, um das Depot so gegen Inflationsgefahren abzusichern.

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