Ärzte Zeitung, 02.11.2009

Eingefrorene Immobilienfonds: Für vier gibt es noch keine Tauzeit

Auch ein Jahr nach der Krise der offenen Immobilienfonds bleiben vier von ihnen geschlossen. Der Grund: mangelnde Liquidität.

Von Richard Haimann

zur Großdarstellung klicken

Shoppingcenter gehören zu beliebten Anlageprojekten von offenen Immobilienfonds.

Foto: Bernd Kröger©www.fotolia.de

Vor zwölf Monaten entstand unter Anlegern große Unruhe, weil elf von 26 offenen Immobilienfonds eingefroren wurden. Heute sind noch vier Fonds gesperrt. Damit sind 4,56 Milliarden Euro für bis zu zwölf weitere Monate dem Zugriff von mehr als 150 000 Anlegern entzogen. Das entspricht 5,2 Prozent der insgesamt in den Branchenprodukten investierten 87 Milliarden Euro.

Die Fonds waren nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brother's im Oktober vergangenen Jahres mangels Liquidität eingefroren worden, als Anleger in Panik Kapital abziehen wollten. Sieben Fonds konnten seither wieder aufmachen. Den Managern des Degi Europa (Volumen 1,7 Milliarden Euro), des TMW Weltfonds (eine Milliarde Euro), des P2 Value von Morgan Stanley (1,4 Milliarden Euro) und des KanAm US-Grundinvest (420 Millionen Euro) gelang dies nicht.

TMW-Geschäftsführer Markus Kemmner will den Weltfonds bald wieder flott bekommen: "Wir halten an unserem Ziel fest, den Fonds noch vor Jahresende zu öffnen." Skeptisch ist Morgan-Stanley-Manager Walter Klug: "Es ist unwahrscheinlich, dass das aktuelle Marktumfeld für offene Immobilienfonds eine nachhaltige Basis für eine dauerhafte Wiedereröffnung bieten kann."

Offene Immobilienfonds investieren in Bürotürme, Hotels und Shoppingcenter. Durch die globale Rezession sind deren Preise weltweit gefallen. Die Fonds mussten deshalb ihre Portfolien abwerten. Am stärksten traf es den P2 Value. Der erst 2005 aufgelegte Morgan-Stanley-Fonds hatte seine Bestände auf dem Höhepunkt des globalen Immobilienbooms erworben und musste die Buchwerte um 10,4 Prozent reduzieren. Zu Ende September wies der Fonds einen Verlust von zwölf Prozent aus. Hingegen hatten die übrigen 25 Fonds im Schnitt ein Plus von drei Prozent erzielt. Ende 2008 lag die Durchschnittsrendite bei 4,4 Prozent.

Nach dem Investmentgesetz können offene Fonds für insgesamt zwei Jahre Anlegern die Rückzahlung ihres Kapitals verweigern. Auch nach dieser Frist könnten die Investmentvehikel theoretisch eingefroren bleiben. "Dem Buchstaben des Gesetzes wäre Genüge getan, wenn ein Fonds für einen Tag aufmacht und danach wegen zu hoher Mittelabflüsse wieder schließt", sagt ein Manager einer Fondsgesellschaft. In diesem Fall würde die Zwei-Jahres-Frist von neuem beginnen.

Dass die vier Fonds eingefroren bleiben, liege vor allem an Vertriebsproblemen, meint Sonja Knorr, Analystin der Ratingagentur Scope. "Hinter diesen Fonds steht keine große Bank, die den Absatz effektiv steuern könnte." Die offenen Immobilienfonds der Commerzbank, der Deutschen Bank, des Sparkassen-Anbieters Deka und der Union Investment aus der Gruppe der Volks- und Raiffeisenbanken mussten in der Krise nicht eingefroren werden.

Anleger sollten Produkte wählen, deren Immobilien langfristig vermietet sind, rät Wolfgang Kubatzki von der Ratingagentur Feri. Spitzenreiter im Branchenvergleich sind der Grundbesitz Europa der Deutschen Bank und Grundinvest von KanAm.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »