Ärzte Zeitung online, 13.11.2009

Deutsche Wirtschaft legt rasante Aufholjagd hin

WIESBADEN (dpa). Die deutsche Wirtschaft legt eine rasante Aufholjagd hin. Die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik ist damit endgültig vorbei.

Im dritten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal real um 0,7 Prozent - das war das stärkste Plus seit Anfang 2008, wie das Statistische Bundesamt am Freitag meldete. Vor allem die wiedererstarkten Exporte und die Investitionen der Unternehmen trugen zum Wachstum bei. Dagegen sank der private Konsum und bremste den Aufwärtstrend. Im Gesamtjahr 2009 wird die Wirtschaft dennoch so stark einbrechen wie noch nie seit Beginn der Bundesrepublik.

"Weltweit holen die Unternehmen jetzt einen Teil der Ausgaben nach, die sie nach dem Schock der Lehmann-Pleite abrupt zurückgestellt hatten", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die konjunkturelle Erholung nach dem Absturz vom Jahresanfang ist stärker als bislang bekannt. Schon im Frühjahr hatte die Wirtschaft um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zugelegt - diese Zahl revidierten die Statistiker leicht um 0,1 Punkte nach oben. Zum Jahresende rechnen Experten damit, dass die Wirtschaft nochmals kräftig wachsen wird.

Dennoch zeigen die Zahlen deutlich das Ausmaß der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit. Die Wirtschaft steht viel schlechter da als vor einem Jahr. Im Vorjahresvergleich schrumpfte das BIP um 4,7 Prozent, kalenderbereinigt waren es minus 4,8 Prozent. "Die Wirtschaftsleistung hat inzwischen erst wieder das Niveau von 2006 erreicht", sagte eine Statistikerin. Bis zum Jahresende dürfte die Wirtschaft nach Commerzbank-Berechnungen erst ein Viertel der Produktionsverluste aufgeholt haben, die sie während der Rezession erlitten hatte.

Für das Gesamtjahr 2009 prognostizieren Volkswirte - wegen des schwachen Starts ins Jahr - ein Minus von 4,0 bis 5,0 Prozent. 2008 war die Wirtschaft noch um 1,3 Prozent gewachsen. Für 2010 sagen die fünf "Wirtschaftsweisen", die an diesem Freitag ihr Wirtschaftsgutachten vorlegen sollten, ein Wachstum von 1,6 Prozent voraus. Einige Volkswirte sind optimistischer und erwarten bis zu 2,0 Prozent.

Die Wirtschaftsleistung wurde im dritten Quartal von 40,4 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 0,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ausführliche Ergebnisse gibt das Statistische Bundesamt am 24. November bekannt.

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