Ärzte Zeitung, 30.11.2009

Die nächste Blase entsteht: Augen zu und durch gilt nicht mehr

Nach der Krise ist vor der Krise: Die Erholungsphasen an den Börsen werden immer kürzer. Aktives Management des Portfolios ist deshalb gefragt, nur so lässt sich der richtige Ausstiegszeitpunkt finden.

Von Frank Mahlmeister

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Am Anleihenmarkt pumpen Investmentbanker schon die nächste Finanzblase auf.

Foto: imago

Auf das richtige Timing kommt es an. Das gilt nicht nur für Investoren am Aktienmarkt, sondern auch für die internationalen Notenbanken und Regierungen mit ihren Exit-Strategien für die Zeit nach der großen Finanzmarkt- und Weltwirtschaftskrise. Um der Mega-Krise Herr zu werden, haben die Zentralbanken die Märkte mit einer gewaltigen Welle billigen Geldes geflutet, und die Regierungen haben gigantische Finanzpakete zur Rettung der Banken und der Konjunktur verteilt.

Diese Holzhammer-Methode scheint auf den ersten Blick erfolgreich zu sein. Die Vertrauenskrise konnte eingedämmt, die drohende Kernschmelze des internationalen Finanzsystems verhindert und die abgestürzte Konjunktur wiederbelebt werden. Doch auch die Nebenwirkungen sind gewaltig. Die Regierungen haben den Aufschwung gekauft mit Geld, das sie gar nicht hatten.

Die Inflation bedroht den Verbraucher noch nicht

Die Liquiditätsschwemme der Notenbanken hat ein gefährliches Inflationspotenzial entstehen lassen. Dass sich dieses Potenzial jedoch an der Supermarkt-Kasse entlädt, ist indes eher unwahrscheinlich. Dazu müssten die Banken das Zentralbankgeld überhaupt erst einmal in den realwirtschaftlichen Kreislauf einspeisen. Doch genau das ist trotz aller Mahnungen der Politik an die Banken kaum der Fall, wie die fortwährenden Klagen von Unternehmen über eine Kreditklemme belegen. Hinzu kommt, dass Wettbewerbsdruck, Globalisierung sowie die Kaufzurückhaltung der um ihre Arbeitsplätze bangenden Konsumenten kaum Spielraum für steigende Verbraucherpreise lassen.

Die von den Zentralbanken bereitgestellte Liquidität bleibt denn auch vorwiegend im monetären Sektor. Statt der Verbraucherpreise steigen die Preise für Vermögenswerte wie Aktien und Anleihen (Asset Price Inflation). Die Investmentbanker pumpen schon die nächste Blase auf. Bereits Anfang des Jahres hatten sie wieder einmal als erste den Braten gerochen und den Markt für Bankanleihen nach oben getrieben.

Nach der Garantiezusage der Staats- und Regierungschefs der G 20, keine systemrelevante Bank werde fallen gelassen, waren Bankanleihen plötzlich fast so sicher wie bundesdeutsche Staatsanleihen. Kaum war dieses Segment ausgereizt, sprang der süße Virus der Asset Price Inflation auch auf die Märkte für Unternehmensanleihen und Aktien über.

Die Zentralbanken und Regierungen werden damit zunehmend Opfer ihrer Erfolge bei der Krisenbekämpfung. Denn gerade für die Notenbanken ist die Versuchung groß, die Politik des billigen Geldes unverhältnismäßig lange durchzuhalten, zumal die gefürchtete Verbraucherpreisinflation nicht in Sicht ist. Auch wollen sich die Währungshüter nicht dem Vorwurf aussetzen, mit einer zu frühen Rückkehr zu einem "normalen" Leitzinsniveau die Erholung an den Kapitalmärkten zu erdrosseln.

Die Fed verpasste den richtigen Zeitpunkt

Wie schwierig hier das richtige Timing und die angemessene Dosierung sind, hat die Vorgeschichte der aktuellen Finanzmarktkrise gezeigt. Erst die vom damaligen US-Fed-Chef Alan Greenspan viel zu lange betriebene Politik des billigen Geldes erlaubte es vielen Amerikanern, sich trotz minderer Bonität den Traum vom Eigenheim auf Pump zu erfüllen. Als die Blasen auf dem Immobilien- und Aktienmarkt längst nicht mehr zu übersehen waren, schaltete endlich auch die Fed auf steigende Zinsen um. Die Immobilienblase platzte trotz aller Vorsicht der Fed und löste die Finanzkrise aus.

Welche Lehren sollten Anleger aus der Kapitalmarktkrise ziehen?

  1. Das Fundament für die nächste Krise wird bereits gegossen.
  2. Die Erholungsphasen zwischen den Krisen werden tendenziell kürzer, die Volatilitäten stärker.
  3. Die neuen Blasen bieten Privatanlegern aber auch neue Chancen, gerade am Aktienmarkt.
  4. Die einst von Börsenguru André Kostolany postulierte "Schlaftabletten-Strategie" funktioniert nicht mehr. Wer sich darauf beschränkt, einige Standardwerte ins Depot zu legen und sich anschließend aufs Ruhekissen begibt, könnte schnell ein böses Erwachen erleben.
  5. Ein aktives Portfoliomanagement ist auch für Privatanleger Trumpf.
  6. Über den Erfolg eines Aktieninvestments entscheidet vor allem der richtige Ausstiegszeitpunkt. Es ist deshalb besser, auf ein paar Euro zusätzlichen Gewinns zu verzichten, als beim Platzen der Blase in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Frank Mahlmeister ist Chefredakteur bei PLATOW, dem bekannten Informationsdienst für Wirtschaft, Kapitalmarkt und Politik.

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