Ärzte Zeitung, 18.01.2010

Anlagen-Kolumne

Wird 2010 doch nicht das Jahr des Börsenaufschwungs?

Neues Jahr, neues Glück? Das gilt trotz derzeit guter Aktienwerte nur, wenn Anleger die Werte gezielt auswählen. Einen bleibenden Aufwärtstrend gibt es nicht.

Von Jens Ehrhardt

Nach dem starken Aktienaufschwung der zurückliegenden neun Monate sehen viele Marktteilnehmer aus Trendgesichtspunkten das neue Börsenjahr positiv. Betrachtet man allerdings einen längeren Zeitraum, so fällt auf, dass wir uns an den meisten Aktienmärkten seit dem Jahre 2000 im Grunde nach wie vor in einem Abwärtstrend befinden.

Dies gilt insbesondere, wenn man die Entwicklung der Kurse real, also um die Inflationsentwicklung bereinigt, betrachtet. Tatsächlich waren die vergangenen zehn Jahre die zweitschlechteste Dekade der vergangenen 110 Jahre. Dabei muss man bedenken, dass die Erholung lediglich den massiven fiskalpolitischen (erhöhte Staatsausgaben, geringere Steuern) und geldpolitischen Aktionen (niedrige Zinsen und hohe Liquiditätsversorgung durch Notenbanken) zu verdanken war.

Die vergangenen zehn Jahre sind, was die Gründe für die Aktienbaisse (zu hohe Verschuldung) anbelangt, am ehesten vergleichbar mit den Dreißiger Jahren. Allerdings bauten die Amerikaner ihre Verschuldung zwischen 1929 und 1942 in allen Bereichen (Unternehmen, Konsumenten, Staat) massiv ab, sodass ab 1942, gestützt durch ein staatliches Mammut-Defizitprogramm, Konjunktur, Arbeitsplätze und Unternehmensgewinne nach oben schossen.

Regierungen erkaufen sich lediglich Zeit

Dieses Mal versuchen die Politiker, die Krise nicht durch eine gesunde Politik der Verschuldungsrückführung, sondern im Gegenteil durch eine Politik noch höherer Verschuldung zu bekämpfen. Im Grunde genommen erkaufen sich Regierungen und Notenbanken durch den Einsatz von unvorstellbaren Milliardensummen lediglich Zeit. Verbunden damit wird eine noch größere Verschuldungskrise im laufenden Jahrzehnt sein.

Breit angelegte fiskal- und geldpolitische Programme sind häufig durch zwei Charakteristika gekennzeichnet. Zum einen zielen sie darauf ab, vielen oder möglichst allen Wirtschaftssubjekten zugute zu kommen. Dem entsprechend entwickelten sich in den zurückliegenden Monaten international praktisch sämtliche Aktienkategorien gut.

Zum zweiten sind derartige Hilfsprogramme meist durch ihre zeitlich begrenzte Wirkung gekennzeichnet. Mit andern Worten ist damit zu rechnen, dass die Wirkung im Laufe des Jahres 2010 nachlässt, wenn die Programme nicht sogar zurückgefahren werden.

Chance-Risiko-Verhältnis wird wichtiger denn je

Entsprechend wird es für den Anleger - um sein Risiko zu minimieren - künftig wieder vermehrt darauf ankommen, diejenigen Aktienkategorien herauszufiltern, die ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen.

Auch künftig wird es gute selektive Möglichkeiten an den Aktienmärkten geben. Eine Fortsetzung der bisherigen Aufwärtsdynamik "auf breiter Front" an den Aktienmärkten ist jedoch unwahrscheinlich.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10867)
Personen
Jens Ehrhardt (276)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ärzte gehen auf Gegenkurs zu Schokoriegel und Cola

Pädiater sind alarmiert: Adipositas bei Kindern wird zunehmend zu einem sozialen Problem. Jetzt setzen sie ihre eigene Agenda und gehen auf Distanz zur Ernährungsindustrie. mehr »

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt ältere Menschen nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Dieses überraschende Ergebnis offenbart die ASPREE-Studie. mehr »

Doktor THC und Mister Cannabidiol

Cannabis steht im Verdacht, Psychosen durch den Wirkstoff THC auszulösen. Die Pflanze enthält aber auch antipsychotische Substanzen, die die Hirnfunktion in kritischen Bereichen normalisiert. mehr »