Ärzte Zeitung, 03.02.2010

Steuerberater warnen Ärzte mit Schweizer Konten

NEU-ISENBURG (nös). Aller Voraussicht nach werden deutsche Steuerbehörden Daten von rund 1500 Bürgern mit Schweizer Konten kaufen. Kunden dieser Banken dürften deswegen "unruhig werden", glaubt der Göttinger Steuerberater Rainer Vesting. Er rät dringend zur Selbstanzeige.

Vesting, der Gesellschafter der Spezialkanzlei für Heilberufe "Vesting, Gerhardy und Partner" ist, sieht in einer Selbstanzeige die beste Lösung: "Sie ist die einzige Möglichkeit, straffrei auszugehen." Ärzten, die Konten in der Schweiz unterhalten, rät er, nicht zu lange mit dem Anruf beim eigenen Steuerberater zu warten. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Ermittlungen beginnen. "Ist die Tat erst entdeckt, wird es schwierig", so Vesting weiter.

Betroffene Ärzte müssen außerdem standesrechtliche Sanktionen fürchten. Sind sie erst einmal verurteilt, könnten die Kammern theoretisch eine Kammerrüge aussprechen.

Steuersünder sollten sich deswegen "mit eigenen Mitteln aus der Affäre ziehen", wie der Göttinger Steuerberater es nennt. Doch finanziell werden sie dann nicht verschont. Vesting kennt extreme Fälle, in denen samt Hinterziehungszinsen letztlich bis zu 80 Prozent des Vermögens nachgezahlt werden mussten.

Neben der persönlichen sieht Vesting noch eine ganz andere Dimension: Für ihn ist die Verwendung gestohlener Daten als Beweismittel schlicht unzulässig. Er habe große Zweifel, ob sich die Behörden mit ihrem Vorgehen durchsetzen werden, sagt er. Schließlich gelte der Grundsatz, dass unrechtmäßig erhaltene Daten nicht als Beweis verwendet werden dürfen. "Jeder Betroffene müsste dagegen klagen." Dass es dann zu einer Grundsatzentscheidung kommt, hält er für sicher.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »