Ärzte Zeitung, 15.02.2010

Anlagen-Kolumne

Hilfe für Griechenland: Haben Anleger einen Nutzen davon?

Die EU springt Griechenland finanziell mit einem Rettungspaket bei. Der schnelle Euro für die Hellenen kann bei Anlegern nur für ein Wechselbad der Gefühle sorgen.

Von Dr. Jens Ehrhardt

Spätestens die Finanzkrise in Griechenland führt nun vor Augen, dass die Verschuldungsproblematik nicht nur in den USA, sondern auch im Euro-Raum dramatische Ausmaße angenommen hat. Inwieweit ein schnelles EU-Rettungsprogramm die Stimmung verbessern kann, ist schwer einzuschätzen. In jedem Fall würden vorschnelle Hilfsprogramme darauf hinauslaufen, dass dringend notwendige einschneidende Besserungsmaßnahmen hinausgezögert werden.

Das Beispiel Griechenland verdeutlicht, dass der Euro ein insgesamt misslungenes Experiment ist, völlig heterogene Wirtschaftsräume unter einem Währungsdach zu vereinen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Lohnkosten in Spanien um 27 Prozent nach oben bewegt, in Frankreich um 17 Prozent. In Deutschland hingegen sind die Lohnkosten im gleichen Zeitraum praktisch konstant geblieben.

Die Tatsache, dass man derart unterschiedliche Entwicklungen nicht mit einer einheitliche Geldpolitik begegnen kann, ist offensichtlich. In Spanien hätte man der inflationären Entwicklung längst durch höhere Zinsen entgegenwirken müssen, während in Deutschland vor dem Hintergrund der seit zehn Jahren schwachen Binnenwirtschaft niedrigere Zinsen angebracht wären. Hätte man sich bei der Bildung der Währungsunion auf die stabilen Kernländer beschränkt, gäbe es die heutigen Probleme nicht.

Auch Hoffnungen, wonach man instabilere Staaten durch den Euro "disziplinieren" kann, dürften sich durch die jüngste Entwicklung zerschlagen haben.

Allerdings werden die Probleme wahrscheinlich noch wesentlich größer werden müssen, ehe man zu wirklichen Notmaßnahmen greifen wird. Man wird Griechenland nicht - wie in den USA die Bank Lehman Brothers - fallen lassen. Wenn man jetzt allerdings mit vorschnellen Garantien das griechische Zinsniveau wieder drückt, gibt man auch ein Druckmittel für wenigstens partielle Anpassungsprozesse in Griechenland vorschnell aus der Hand.

Eine Rettung dieser Problemregionen mit entsprechenden Garantien von starken Ländern wie Deutschland könnte der gesamten Euro-Bonität schaden. Inzwischen ist schwer abzuschätzen, ob der US-Dollar oder der Euro stärker unter den jeweiligen Verschuldungsproblemen leiden wird. Von jeglichen Währungsschwächetendenzen profitieren dürften langfristig weiterhin Sachanlagen und insbesondere Gold.

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