Ärzte Zeitung online, 16.02.2010

Fachanwalt: Welle reuiger Steuersünder ebbt ab

BERLIN/HAMBURG (dpa). Die Zahl der reuigen Steuersünder in der Schweiz-Affäre wird nach Ansicht eines Experten nicht weiter rasant ansteigen. "Wenn nicht ganz wegweisende, für die Betroffenen erschreckende Neuigkeiten kommen, dann glaube ich, dass die größte Welle schon da gewesen ist", sagte der Hamburger Steueranwalt Alexander Busse am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Bislang gehen bei den Finanzämtern jedoch noch zahlreiche Selbstanzeigen ein: Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge meldeten sich bis Freitag in Niedersachsen 174 Bürger mit schlechtem Gewissen, in Bayern waren es 291. Insgesamt seien dem Staat zusätzliche Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe sicher. In Berlin gab es bis Montagmittag 133 Selbstanzeigen.

Nach Ansicht Busses wäre eine neue Welle von Selbstanzeigen nur zu erwarten, wenn die Zahl der offerierten Datensätze sprunghaft steige: "Dann würden auch die, die mit einer Zockermentalität darangehen, noch animiert werden." Ein Informant bietet der deutschen Finanzverwaltung Daten von bis zu 1500 Kapitalanlegern mit Konten in der Schweiz an.

In diesem Fall berät Busse meist frühere Selbstständige oder Manager, die ihre Werte vor langer Zeit in die Schweiz geschafft hatten: "Das waren Zukunftsängste nach dem Motto: Kommt der Russe zurück? Wie stabil ist die Bundesrepublik?" Bei seinen Mandanten reiche das Spektrum von 100 000 Euro bis zu knapp 10 Millionen Euro, die in der Schweiz lagerten. Nach Busses Erfahrungen sind von der Schweiz-Affäre nur wenige junge Menschen betroffen. "Die haben mit Aktien rumgezockt und mit mehr oder minder intelligenten Geldanlagen versucht, auf Steuervermeidung zu machen."

Trotz ihrer Selbstanzeige ist die Nervosität bei einigen Steuersündern weiter groß. "Es gibt Mandanten, die rufen sechsmal am Tag hier an. Die brauchen nur Seelentröstung. Da kommen solche Fragen: Kann jetzt bestimmt die Steuerfahndung nicht kommen, nachdem die Selbstanzeige längst abgegeben ist? Die leiden wie die Hunde", sagte Busse.

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Finanzen/Steuern (10906)
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