Ärzte Zeitung, 01.03.2010

Anlagen-Kolumne

Anleger können sich wieder in die Startlöcher begeben

Noch scheint die Zeit für ein erneutes Engagement in Aktien und Gold nicht gekommen. Im Laufe des Jahres kann sich das aber schnell ändern.

Von Jens Ehrhardt

Seit dem Frühjahr 2009 profitierten die internationalen Börsen vor allem von positiven geldpolitischen Impulsen der Notenbanken und staatlichen Konjunkturprogrammen. Zuletzt gab es jedoch Anzeichen, dass die Notenbanken sich zunehmend dem Ziel einer Inflationsbekämpfung verpflichtet fühlen und künftig einen restriktiveren Kurs einschlagen.

Die US-Notenbank, die bisher im Gegenwert vierstelliger Milliarden-Dollar-Summen Wertpapiere vom Markt aufkaufte und so die Geldmenge erhöhte, wird voraussichtlich ab Ende März zunächst ihre Ankaufspolitik stoppen.

Zuletzt wurde sogar der US-Diskontsatz leicht erhöht, was allerdings mehr eine optische als tatsächliche wirksame Maßnahme ist. Auch in Europa versucht die Notenbank, die Liquidität tendenziell einzuschränken, und in den Schwellenländern werden höhere Inflationsraten zumindest selektiv zu Zinserhöhungen führen.

Kurzfristig dürfte der Versuch der Notenbanken und Regierungen, ihre Stimulierungsprogramme zurückzufahren, das Potenzial an den Börsen tatsächlich nach oben stark begrenzen. Kursrückschläge für Aktien sind sogar zunächst realistisch.

Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Notenbanken schnell erkennen werden, dass selbst kleinere Bremsaktionen im Gegensatz zur früheren Mammut-Stimulierung falsch sind. Zudem dürfte den Notenbanken bewusst sein, dass aufgrund der hohen Staatsverschuldungen kaum neue nennenswerte Konjunkturprogramme (Staatsausgaben, Steuersenkungen) realistisch sind.

Die bisher zarten Konjunkturpflänzchen würden durch rezessive Maßnahmen der Notenbanken zwangsläufig verwelken.

Eine wirklich nachhaltige Antiinflationspolitik der internationalen Notenbanken ist daher eher unwahrscheinlich.

Ganz im Gegenteil, der Internationale Währungsfonds hat sogar die Parole ausgegeben, dass die Notenbanken nicht zwei Prozent, sondern vier Prozent Inflation anstreben sollten. Das würde in zehn Jahren kumulativ sogar eine Geldwerthalbierung bedeuten.

Sobald in diesem Jahr Anzeichen deutlich werden, dass die internationale Konjunktur tatsächlich wieder nach unten dreht - worauf die Frühindikatoren schon heute hinweisen -, werden die Notenbanken die Banknotenpresse voraussichtlich wieder anwerfen.

Das wäre dann der Startzeitpunkt, neu in Aktien zu investieren. Sachwerte, wie gute Aktien oder auch Gold, würden dann in Anbetracht der fehlenden Anlagealternativen zwangsläufig wieder verstärkt nachgefragt werden.

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