Ärzte Zeitung, 02.03.2010

Vorsorge-Policen: Hoch geschätzt, wenig nachgefragt

Bundesbürger finden IGeL-Zusatzpolicen sinnvoll. Das hat eine aktuelle Umfrage des Anbieters DEVK ergeben. Die Zusatzversicherungen werden allerdings - noch - nicht so stark in Anspruch genommen.

Von Matthias Wallenfels

Vorsorge-Policen: Hoch geschätzt, wenig nachgefragt

Kassenpatienten können zwischen einer Reihe von IGeLPolicen wählen. © imago

KÖLN. Jeder zweite Deutsche sieht eine private Krankenzusatzversicherung als notwendig an, um die ständig abnehmenden Leistungsumfänge der gesetzlichen Krankenkassen zu kompensieren. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten, repräsentativen Umfrage im Auftrag der DEVK Versicherungen, für die im Januar rund 1000 Bundesbürger befragt wurden.

Bereits seit Jahren steigt die Zahl dieser Policen - inzwischen gibt es in Deutschland mehr als 21 Millionen. Besonders beliebt sind dabei Leistungen für Gesundheitsvorsorge, Sehhilfen und Krankentagegeld.

Knapp 70 Prozent der Bundesbürger gehen davon aus, dass die Kassen in naher Zukunft ihre Defizite durch Zusatzbeiträge und Leistungskürzungen ausgleichen werden. Schon heute finden 64 Prozent der Kassenmitglieder, dass die Leistungen ihrer Krankenversicherung nicht mehr ausreichen.

Besonders wichtig sind den Versicherten laut Umfrage Vorsorgeuntersuchungen auf Selbstzahlerbasis. Dazu gehören beispielsweise sportmedizinische Vorsorge, wichtige Krebspräventionsmaßnahmen und zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen für Kinder. Die Gesundheitsprävention ist einer der wichtigsten Gründe für die Deutschen, eine Zusatzversicherung abzuschließen: 57 Prozent der Befragten halten sie für wichtig.

Ähnliches gilt für die "sanfte Medizin". Der Besuch beim Heilpraktiker wird Kassenmitgliedern in der Regel nicht erstattet. Im Rahmen einer ergänzenden privaten Police zahlen Zusatzversicherungen für naturheilkundliche Behandlungen jährlich bis zu mehreren hundert Euro.

Man darf sich nichts vormachen: Noch sind Versicherte, die solche IGeL-Policen abgeschlossen haben, eher die Ausnahme unter den Stammpatienten - trotz der hohen Präferenz, die sich aus der Umfrage ergeben hat. Das zeigt auch die Nachfrage bei Versicherungen mit derartigen Angeboten.

Keine Angaben zur Zahl an Patienten, die sich für den Tarif Vorsorge entschieden haben, macht zum Beispiel die DEVK. Dieser Tarif umfasst unter anderem Check-ups wie Hautkrebs- oder Schilddrüsenvorsorge, Lungen-Check, Sportmedizinische und Schwangerschaftsvorsorge, den Großen Gesundheits-Check oder auch die Reisemedizinische Vorsorge. Für Kinder umfasst der Tarif spezielle Untersuchungen wie den Neugeborenen-Hörcheck, die Schielvorsorge sowie die erweiterte U6-, U7- und U9-Vorsorge.

Bei dem Tarif Optimed der DKV gebe sich die Policenzahl "stabil", wie es auf Nachfrage der "Ärzte Zeitung" ohne nähere Angaben hieß. Ende 2007 waren es rund 11 000 Policen. Auch Optimed setzt auf zusätzliche Schmankerl, die auch die zusätzliche Schwangerschaftsdiagnostik, die Glaukom-, Brustkrebs- und Schlaganfall-Vorsorge vorsehen.

Ärzte, die die IGeL-Zusatztarife der einzelnen Anbieter für sinnvoll halten, können von sich aus aktiv auf die Versicherungen zugehen und Informationsmaterial zur Auslage im Wartezimmer anfordern. Auch beim Arzt-Patienten-Kontakt lohnt sich der Hinweis auf die entsprechenden Angebote.

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