Ärzte Zeitung, 01.05.2010

Hellas-Anleihen setzen auch Rentenfonds zu

Anleger in Rentenfonds haben aktuell wenig Grund zur Freude: Die Kurse der Fonds, die auf Staatsanleihen setzen, geraten in der Griechenland-Krise unter Druck.

Von Jürgen Lutz

NEU-ISENBURG. Noch vor wenigen Wochen hatten sich Anleger mit Verve auf Griechenland-Anleihen gestürzt, da sie wegen der sich abzeichnenden Zahlungsschwierigkeiten des Landes hohe Zinsen boten.

Inzwischen dürfte manchem die Risikolust vergangen sein, denn die Kurse der Anleihen sind abgestürzt und die Zinsen weiter gestiegen. Die Rendite für zehnjährige griechische Staatsanleihen liegt derzeit bei über zehn Prozent, die Rendite für zweijährige Papiere schoss zeitweise auf über 20 Prozent hoch. Das bedeutet, der Kapitalmarkt preist derzeit ein hohes Risiko für Zahlungsausfall ein.

Wer mit dem Blick auf hohe Zinsen zugriff und selbst einzelne Anleihen kaufte, dürfte sich derzeit besorgt fragen, ob er sein Geld jemals wiedersehen wird. Die Senkung der Bonität Griechenlands durch die Ratingagentur Standard & Poor's auf BB+ und damit auf Ramsch-Status sowie der immer deutlicher zu Tage tretende immense Kapitalbedarf des Landes haben zunehmend Ängste geweckt, ob Athen seine Schulden tatsächlich begleichen kann.

Anleger, die jetzt an ihrem Investment zweifeln und die Papiere verkaufen wollen, bekommen dafür nun weit weniger als ihren Einstandspreis. Wer diese Verluste vermeiden will, muss die Zähne zusammenbeißen und gegebenenfalls eine Zitterpartie bis zum Ende der Laufzeit der Anleihe durchstehen.

Etwas nervös könnten auch die Anleger werden, die in Rentenfonds mit staatlichen Anleihen investieren. Denn die Ratingagentur Standard & Poor's hat im Zuge des Schuldendramas auch die Bonität von Portugal und Spanien gesenkt. Alle drei Länder machen bei den so genannten Exchange Traded Funds (ETF), die die Staatsanleihen-Märkte der Euro-Zone abbilden, zusammen rund 15 Prozent des Investitionsvolumens aus. Sollte es dort zu steigenden Zinsen und damit weiteren Kursverlusten kommen, bekommen dies auch Rentenfonds-Käufer zu spüren. So hat der Indexfonds der Deutschen Bank für das Segment der zehn- bis 15-jährigen in den vergangenen Tagen bis zu drei Prozent abgegeben.

Auch die deutschen Lebensversicherer haben griechische Staatsanleihen gekauft. Die Allianz gibt ihren Bestand nach Angaben der Financial Times Deutschland mit 0,9 Milliarden Euro an, die Munich Re mit 2,1 Milliarden Euro. Doch würde sich der Schaden selbst bei einem Totalausfall Griechenlands in Grenzen halten, da die Lebensversicherer nach eigenen Angaben ein Kapital von 685 Milliarden Euro verwalteten (Geschäftsjahr 2008). Sollten aber auch Anleihen anderer Staaten deutlich abwerten, würde das mit Sicherheit auch die Ausschüttungen der Lebensversicherer mindern.

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