Ärzte Zeitung, 05.05.2010

Ein Anlageklassiker wird wiederentdeckt

Totgesagte leben länger: Die klassische Lebensversicherung ist zurück. Lange wurde sie als verstaubte Kapitalanlage, ja, als Renditegrab geschmäht. Doch im Zuge der Finanzkrise ist die Versicherung wieder attraktiv geworden. Aus gutem Grund.

Von Anja Krüger

Die Welt der Lebensversicherung ist nicht leicht zu durchschauen. Ärzte können zwischen einer ganzen Palette verschiedenartiger Angebote wählen. Die vergleichsweise günstige Risikolebensversicherung ist ausschließlich zur Deckung des Todesfallrisikos gedacht. Erlebt die versicherte Person den Ablauf des Vertrags, sind die gezahlten Prämien weg.

Ein Anlageklassiker wird wiederentdeckt

Rendite oder Sicherheit - oder geht doch beides? Themen für ein Beratungsgespräch. © 12foto.de / Fotolia.com

Das ist bei einer vermögensbildenden Lebensversicherung auf den ersten Blick anders. Der Kunde erhält bei Vertragsende die für ihn angesparte Summe vom Anbieter. Stirbt er vorher, bekommen die Begünstigten die festgelegte Versicherungssumme, die in der Regel geringer ist als bei einer Risikolebensversicherung. Denn Hauptzweck der Police ist nicht der Risikoschutz, sondern der Vermögensaufbau. Der Anteil der Prämie, der für das Todesfallrisiko verwendet wird, ist auch hier bei Ablauf verloren.

Bei den Policen zur Kapitalbildung für die Altersvorsorge, für eine große Anschaffung oder für die Ablösung eines Kredits wiederum gibt es zwei verschiedene Varianten: die klassische und die fondsgebundene Lebensversicherung. Bei klassischen Policen erhält der Kunde auf den Sparanteil seiner Prämie eine jährliche Garantieverzinsung, die der Versicherer für die gesamte Laufzeit des Vertrags zusagt. Die maximale Höhe, die von fast allen Anbietern aus Wettbewerbsgründen gewährt wird, legt das Bundesfinanzministerium nach einem festgelegten Schlüssel fest. Sie liegt zurzeit bei 2,25 Prozent, bei älteren Verträgen ist sie höher und kann bis zu vier Prozent betragen.

4,2 Prozent im Schnitt zahlten Versicherer 2009

Darüber hinaus bekommen Kunden jährlich eine Gewinnbeteiligung gutgeschrieben. Das ergibt zusammen die sogenannte Überschussbeteiligung. Sie liegt im Jahr 2009 im Branchenschnitt nach Angaben der Kölner Ratingagentur Assekurata bei 4,2 Prozent. Hat der Versicherer die Überschussbeteiligung einmal gutgeschrieben, kann er sie Kunden nicht mehr wegnehmen. Durch diesen Mechanismus haben Kunden mit klassischen Lebens- und Rentenversicherungen in der Finanzkrise keine Federn lassen müssen.

Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen sieht die Sache ganz anders aus: Hier trägt allein der Kunde das Kapitalanlagerisiko. Die Anbieter werben für die Verträge mit dem Argument, dass sie dadurch auch höhere Renditechancen als bei klassischen Policen haben. Der Absatz der fondsgebundenen Policen stieg kontinuierlich, der Verkauf der klassischen sank - bis zum Beginn der Finanzkrise.

Seitdem steigt die Nachfrage nach den Klassikern. "Viele Kunden legen großen Wert auf Sicherheit", sagt Dirk Dettbarn vom Leitungsteam Vorsorgemanagement beim Versicherungsmakler Ecclesia, der im Besitz der Kirchen ist.

Sicherheit wird heute höher geschätzt als vor drei Jahren

Für die Versicherer sind die fondsgebundenen Verträge praktisch. Sie haben nicht das Problem, heute Garantien für Jahrzehnte laufende Verträge aussprechen zu müssen, von denen sie nicht wissen, ob sie sie am Kapitalmarkt verdienen können. Deshalb haben die Anbieter sie gerne in den Beständen und sie auch fleißig verkauft.

Verbraucherschützer halten nicht viel von fondsgebundenen Versicherungen, weil sie für Kunden teuer und unsicher zugleich sind. Obwohl die klassischen Policen Sicherheit versprechen und bieten, standen sie auch lange mit diesen Verträgen auf Kriegsfuß. "Früher wurden klassische Lebensversicherungen gerne als Teufelszeug gebrandmarkt", sagt Hans-Ludger Sandkühler, Vorsitzender des Bundesverbandes mittelständischer Versicherungs- und Finanzmakler. Verbraucherschützern und Beratern galten die Policen als zu renditeschwach.

"Diese Einschätzung hat sich geändert", sagt er. Denn die Finanzkrise hat gezeigt, dass andere Kapitalanlagen nicht nur theoretisch hohe Risiken in sich bergen. "Eine klassische Lebensversicherung dagegen ist sicher und der Kunde bekommt eine solide Überschussbeteiligung", sagt Sandkühler. Allerdings haben die Verträge auch Macken. Sie sind für Verbraucher kaum zu durchschauen und oft mit hohen Kosten belastet.

Deshalb ist die genaue Auswahl für den Kunden vor dem Abschluss wichtig. Über die Kosten etwa für Verwaltung und Provision können sich Ärzte im sogenannten Produktinformationsblatt zu den Verträgen ein Bild machen.

Steuervorteile bei der Lebensversicherung

Lebens- und Rentenversicherungen sind trotz des Wegfalls des Steuerprivilegs 2005 noch immer steuerlich attraktiv. Früher mussten Ärzte auf die Auszahlungen gar keine Steuern zahlen. Das ist heute zwar anders, aber verglichen mit anderen Anlagen oft günstiger. Denn die 2009 eingeführte Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge in Höhe von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer wird hier nicht fällig.
Grundsätzlich müssen Kunden bei Lebens- und Rentenversicherungen nur den Ertragsanteil versteuern, also die Differenz zwischen den insgesamt eingezahlten Prämien und der Auszahlung - denn die Beiträge haben sie aus versteuertem Einkommen entrichtet. Läuft die Lebensversicherung mindestens zwölf Jahre und erfolgt die Auszahlung nach dem 60. Geburtstag des Kunden, muss er nur die Hälfte des Gewinns versteuern. Erfolgt die Auszahlung in Form einer Rente, fallen noch weniger Abgaben an den Fiskus an. Der Steuersatz hängt dann unter anderem vom Alter ab. Ein 65-Jähriger muss den Ertragsanteil nur zu 18 Prozent versteuern. (akr)

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