Ärzte Zeitung, 17.05.2010

Anlagen-Kolumne

Anleihenmärkte bieten keine solide Basis mehr

Die Zahlungsfähigkeit verschiedener Anleihe-Emittenten wird jüngst wieder stark angezweifelt. Anleger sollten dies bei ihrer Strategie berücksichtigen.

Von Jens Ehrhardt

Die zuletzt extremen Auf- und Ab-Bewegungen an den Devisen-, Aktien- und Anleihemärkten verdeutlichen das schwankende Vertrauen der Marktteilnehmer in die Zahlungsfähigkeit von Emittentengruppen. Dem entsprechend dürfte es künftig weniger darauf ankommen, ob Aktien einerseits oder Anleihen andererseits sich generell besser entwickeln, sondern welche Aktienemittenten und welche Anleiheemittenten aussichtsreich erscheinen.

Im Bereich der Anleihen ragten zuletzt Unternehmensanleihen positiv heraus. Nach den jüngsten Kursgewinnen sind Unternehmensanleihen heute zwar kein klarer Kauf mehr, Papiere guter Emittenten aber zumindest eine Halteposition.

Im Bereich der Staatsanleihen gibt es hingegen gute Gründe, diese völlig zu meiden. Der derzeit praktizierte Versuch, die Schulden desolater Finanzinstitute und finanziell desolater Mittelmeerstaaten auf Deutschland und andere Staaten zu übertragen, wird kurzfristig in einer Umverteilungs- und langfristig in einer Inflationswährung münden. Das alles sind denkbar schlechte Voraussetzungen für europäische Staatsanleihen.

Schwieriger vorherzusagen ist die künftige Differenzierung an den Aktienmärkten. Mittel- und längerfristig scheint sicher, dass Schwellenländer-Werte aussichtsreicher als Industrieländer-Werte sind.

Dies gilt sowohl für die Aktienkurse an sich als auch für die Währungen. Kurzfristig befinden sich die Schwellenländer allerdings in einer Phase steigender Zinsen beziehungsweise verschlechterter Liquidität. In solchen Phasen steigen meist nur noch die Aktien kleinerer oder mittlerer Unternehmen, während Standardwerte zunächst unter Druck kommen könnten.

Der derzeit ungebrochene konjunkturelle Aufschwung in den Schwellenländern in Verbindung mit dem schwachen Euro dürfte vor allem deutschen Exportaktien zugute kommen. Daneben bleibt es vor dem Hintergrund der Inflationsgefahren bei den guten Aussichten für Goldaktien beziehungsweise gut gemanagte Goldfonds.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt 
Der unabhängige Fondsmanager erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10954)
Personen
Jens Ehrhardt (279)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »