Ärzte Zeitung, 21.06.2010

Anlagen-Kolumne

Künftig ist eine differenziertere Aktienauswahl gefordert

Gute Anlageergebnisse hängen nicht mehr nur vom Kauf- und Verkaufzeitpunkt ab. Wer Erfolg auf den Finanzmärkten haben will, braucht mehr Detail-Infos.

Von Dr. Jens Ehrhardt

In den heute politisch und wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeiten sind die mittel- und längerfristigen Aussichten für Aktien und Anleihen gleichermaßen getrübt.

Erstklassige Anleihen, bei denen Anleger einigermaßen sicher mit einer Rückzahlung der jeweiligen Nennwerte rechnen können, bieten einerseits niedrige Verzinsungen, wie die Umlaufrendite in Deutschland von nur gut 2 Prozent verdeutlicht. Zudem sind bei Papieren mit längeren Laufzeiten massive Kursverluste keinesfalls auszuschließen.

Auch inflationsbedingt drohen Gefahren für Anleihen. So könnten die internationalen Notenbanken im Fall einer wahrscheinlichen Konjunkturverschlechterung massiv zum Gegenmittel des Gelddruckens greifen, was irgendwann auf eine Geldentwertung und damit auf eine Entwertung von Anleihen hinauslaufen würde. Kurzfristig ist zwar mit einer solchen Entwicklung nicht zu rechnen, auf längere Sicht ist ein solches Szenario aber umso wahrscheinlicher.

Gegensätzlich sind die Einflussfaktoren an den Aktienmärkten. Künftig dürften keine einheitlichen Trends wie in den vergangenen 15 Monaten vorherrschen. Vielmehr ist auf absehbare Zeit eine stärkere Differenzierung der Aktienmärkte realistisch.

Für den Aktienanleger bedeutet dies, dass es nicht mehr nur darauf ankommt, die Kauf- und Verkaufzeitpunkte richtig zu wählen. Vielmehr werden gute Anlageergebnisse erst dann wahrscheinlich, wenn Investoren erhöhten Aufwand bei der Auswahl von Regionen und Branchen betreiben.

In den USA werden Aktien in nächster Zeit voraussichtlich gebremst durch einen vorübergehenden Stillstand der Notenbankpresse. Die Notenbank beendete Ende März den Aufkauf von Anleihen, der in den vergangenen Jahren zu einer massiven Geldmengenausweitung geführt hatte.

Allerdings sind US-Aktien auch aus fundamentalen Gesichtspunkten unattraktiv. Nur ganz wenige Branchen behaupten sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen im internationalen Wettbewerb, wie das US-Handelsbilanzdefizit verdeutlicht. Umso bedenklicher ist die Tatsache, dass US-Aktien im internationalen Vergleich analytisch nach wie vor hoch bewertet sind.

Ganz anders die Situation in Europa: Hier liegen die Aktienbewertungen mit etwa dem 10-fachen der erwarteten Gewinne niedrig und die Dividendenrenditen mit deutlich über 3 Prozent höher als die Verzinsung von Staatsanleihen. Vorerst bleiben vor allem deutsche Exportwerte aussichtsreich. Allerdings muss man genau beachten, in welchem Umfang Deutschland durch staatliche Hilfsprogramme weiter in die verschuldungsbedingten Schieflagen anderer Euro-Länder hineingezogen wird. Auch Asien dürfte bei richtiger Aktienauswahl eine aussichtsreiche Anlageregion bleiben.

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