Ärzte Zeitung, 07.07.2010

Häuslebauer haben derzeit bei der Finanzierung gute Karten

Baufinanzierer kämpfen vehement gegeneinander um die schrumpfende Zahl der Kunden. Häuslebauer erhalten so günstigere Angebote.

Von Richard Haimann

Häuslebauer haben derzeit bei der Finanzierung gute Karten

Mit niedrigen Zinsen macht der Hausbau mehr Spaß.

© Gina Sanders /Fotolia.com

NEU-ISENBURG. Seit Jahren schrumpft die Zahl der potenziellen Wohneigentumserwerber, da seit den 1960er Jahren die Geburtenraten fallen. "Die Gruppe der klassischen Eigenheimgründer im Alter von bis zu 40 Jahren wird immer kleiner", sagt Tobias Just, Immobilienexperte bei Deutsche Bank Research. Jetzt haben auch noch viele Familien ihre Pläne für den Hauskauf wegen der unsicheren Konjunkturlage zurückgestellt.

Nach der jüngsten Statistik der Bundesbank sank deshalb das Gesamtvolumen aller ausgereichten Hypothekendarlehen an Privatpersonen im ersten Quartal dieses Jahres von 790 auf 787,5 Milliarden Euro. "Den Baufinanzierern ist es nicht gelungen, getilgte Kredite vollständig durch neue Darlehen zu ersetzen", sagt Nils Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Institute nehmen deutliche Abschläge beim Gewinn hin

Jetzt ringen Banken und Versicherungen immer härter um die verbliebenen Kunden. "Schon seit geraumer Zeit versuchen die Institute, einander mit immer niedrigeren Zinssätzen zu unterbieten", sagt Heidi Müller, Sprecherin des Baugeldvermittlers Interhyp. Dabei werden auch deutliche Abschläge beim Gewinn hingenommen. Das zeigt eine Umfrage des Immobilien- und Finanzdienstleisters Planet Home unter 100 Vorständen und maßgeblichen Entscheidungsträgern von Banken und Sparkassen.

"82 Prozent der befragten Immobilienfinanzierer beklagen, dass durch den Wettbewerb ihre Marge sinkt", sagt Planet Home-Vorstandssprecher Bernd Klosterkemper. Die Marge ist die Differenz zwischen dem Zinssatz, den Banken von ihren Kunden kassieren, und den Zinskosten, die sie zur Refinanzierung ihrer ausgereichten Darlehen zahlen müssen. Klosterkemper: "Ohne den harten Konkurrenzkampf müssten Immobilienkäufer deutlich höhere Finanzierungskosten zahlen."

Die Hannoversche Leben hat jetzt den Wettbewerb weiter verschärft. Mit ihrer neuen Sorgloshypothek bietet die Assekuranz als erster Anbieter eine Immobilienfinanzierung zu einem Effektivzinssatz von 4,13 Prozent bis zur vollständigen Rückzahlungen des Darlehens - gekoppelt mit zahlreichen Tilgungsoptionen.

"Die Tilgungsrate kann jederzeit verändert werden", sagt Stefan Lutter, Sprecher der Hannoversche Leben. Zudem ist eine Sondertilgung von bis zu zehn Prozent des Kreditbetrags pro Jahr möglich. Bei gewöhnlichen Annuitätendarlehen müssen höhere Tilgungsraten oder Optionen für Sondertilgungen in der Regel mit Zinsaufschlägen bezahlt werden.

Sorgloshypothek setzt die Branche unter Zugzwang

"Für Bauherren, die Zinssicherheit suchen und sich alle Tilgungsoptionen offen halten wollen, ist dies ein optimales Produkt", sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Mitbewerber dürften bald mit ähnlichen Angeboten nachziehen. Grundsätzlich sollten Eigenheimerwerber bei der Suche nach der geeigneten Finanzierung möglichst viele Angebote einholen, rät Nauhauser. "Oftmals bieten kleine, unbekannte Häuser die besten Konditionen und nicht die Regionalinstitute vor Ort oder die großen bekannten Namen der Branche."

Bei Baugeldvermittlern wie Hypothekendiscount oder Interhyp können Kunden zudem die für sie günstigste Finanzierung aus einem Pool von jeweils mehreren hundert Banken und Versicherungen erfragen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »