Ärzte Zeitung, 23.08.2010

Anlagen-Kolumne

Chinas Aufstieg bietet Anlegern langfristig Renditechancen

Unsicherheit und Widersprüche beherrschen zurzeit die Anlegerbranche. Orientierung bieten europäische Titel und starke Werte aus Schwellenländern wie China.

Von Jens Ehrhardt

Die ausgezeichneten deutschen Unternehmenszahlen spiegeln sich inzwischen auch auf volkswirtschaftlicher Ebene wider. So wurde für das zweite Quartal das höchste Wirtschaftswachstum seit der Wiedervereinigung ausgewiesen. Auf den ersten Blick fällt dabei die deutsche Wachstumsrate mit 2,2 Prozent im Vergleich zur US-amerikanischen mit 2,4 Prozent geringer aus.

Tatsächlich jedoch handelt es sich bei der deutschen Zahl um eine Expansion gegenüber dem Vorquartal, bei der US-Kennzahl hingegen um einen auf das Gesamtjahr hochgerechneten Wert. Realistisch gesehen liegt das deutsche Wachstum bei einem Vielfachen des US-Wertes. In Relation zu den großen westlichen Industrienationen braucht Deutschland keinen Vergleich zu scheuen. Japan stagnierte zuletzt praktisch, und in den USA würde eine drastische Revision der Konjunkturerwartungen nach unten auf nur noch etwa 1 Prozent bis 1,5 Prozent Wachstum nicht überraschen.

Damit wird für Deutschland die bereits vor Jahren andiskutierte Abkoppelungstheorie zur Abkoppelungsrealität. Die Tatsache, dass Europa und insbesondere Deutschland sich besser entwickeln als die USA, wird genauso bestätigt, wie die hohe Wachstumsdynamik der asiatischen Schwellenländer.

Hintergrund des konjunkturellen Erfolgs in Deutschland ist vor allem der Export. Inzwischen entfallen bei einem Bevölkerungsanteil von nur 16 Prozent ungefähr 35 Prozent der Exporte der Europäischen Union auf Deutschland. Interessanterweise exportiert Deutschland inzwischen sogar ein höheres Volumen nach China als die restlichen Euro-Länder zusammen.

Konjunkturpessimisten kritisieren die zunehmende Schwellenländer- und China-Abhängigkeit des deutschen Exports. Allerdings hat China zwar, was die Wirtschaftskraft betrifft, je nach Betrachtungsweise zur weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft Japan aufgeschlossen oder sie bereits längst überholt. Die Pro-Kopf-Wirtschaftkraft eines Chinesen jedoch liegt gerade einmal bei einem Elftel der des Durchschnitts-Japaners. China hat also noch eine beträchtliche Wegstrecke in Richtung Industrieländer-Standards vor sich und weist damit beträchtliches Wachstumspotenzial auf.

Im gegenwärtigen, von Unsicherheiten und Widersprüchen gekennzeichneten Umfeld sollte eine Mixtur aus dividendenstarken Titeln aus defensiven europäischen Branchen -Versorger, Pharma oder Telekommunikation - sowie renditestarken Schwellenländer-Werten mit hoher Gewinndynamik eine gute Orientierungshilfe bieten.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt
Der unabhängige Fondsmanager erreicht mit seinen Fonds immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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