Ärzte Zeitung, 06.09.2010

Hilfreiche Wellenprognose für Börsenreiter

Anleger, die den Wertverlust ihres Aktiendepots bei eventuellen Rückschlägen möglichst gering halten wollen, können seit Kurzem Volatilitätsprodukte nutzen. Allerdings brauchen sie ein gutes Händchen für das Timing.

Von Jürgen Lutz

Hilfreiche Wellenprognose für Börsenreiter

Wer als Anleger auf die richtige Welle setzen will, dem nutzen Volatilitätsindizes.

© pixelbelichter / fotolia.com

Die auch als Schwankungsbreite bezeichnete Volatilität in den Aktienindizes ist ein Gradmesser für die Nervosität der Anleger: Je unsicherer die Investoren, desto höher die "Vola". Kommt es zu einer Panik an den Finanzmärkten wie im Jahr 2008, schießt sie gleichsam durch die Decke. In guten Zeiten für den Aktienmarkt jedoch fällt die Volatilität in der Regel. Ablesen lässt sich die Nervosität an den Volatilitätsindizes wie dem deutschen VDax, dem VStoxx für Europa oder dem VIX für die US-Aktienmärkte. Gemeinsam ist diesen Indizes, dass sie die Erwartungen professioneller Investoren in Bezug auf die künftige Volatilität spiegeln.

"Im Umfeld der Lehman-Pleite im Jahr 2008 notierte der VDax bei 80 Punkten; aktuell weist er einen Stand von 20 Punkten auf", sagt Wolfgang Köbler, Vorstand der unabhängigen KSW Vermögensverwaltung AG. Der jetzige Zählerstand reflektiere eine gewisse Sorglosigkeit der Investoren, die schnell obsolet werden könne. In der Tat notierte der VDax nach einer kurzen Spitze im Frühjahr 2008 schon bald wieder bei 20 Punkten, bevor der Zusammenbruch der Lehman-Bank den Index im Herbst nach oben jagte. Im laufenden Jahr gab es angesichts der Sorgen um eine Pleite Griechenlands einen ähnlichen Anstieg auf rund 30 Zähler, bevor sich die Aufregung legte. Für Köbler ist angesichts der unsicherenwirtschaftlichen Entwicklung klar: "Die Nervosität und die Schwankungen können blitzartig an die Märkte zurückkehren."

Doch für Anleger stellt Volatilität nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance dar. Schließlich können sie in Produkte investieren, deren Wert bei zunehmender Volatilität steigt. Neben Optionsscheinen gibt es die Möglichkeit, über Exchange Traded Notes (ETN) (börsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen) in Volatilität zu investieren. Dieser Mix kann das Depot stabilisieren, "da die Volatilität erfahrungsgemäß steigt, wenn die Märkte stark sinken", so die Deutsche Börse bei der Vorstellung des VDax-New. Demnach zeigten historischeRückberechnungen, dass ein Portfolio, das zu 80 Prozent in den Dax und zu 20 Prozent in den VDax-New geflossen wäre, eine um knapp vier Prozent höhere Rendite bei reduziertem Risiko gebracht hätte. Anleger sollten Investments in volatilitätsabhängige ETN aber nicht als Daueranlage betrachten. Der Grund: Nur wenn die Märkte deutlich nachgeben, bringen diese Produkte Performance; in ruhigeren Phasen jedoch verlieren sie sukzessive underheblich an Wert.

Die Strategie für Anleger, die sichmit solchen Produkten absichern wollen, sollte flexibel und antizyklisch sein: Kaufen, wenn die Vola-Indizes niedrig notieren und verkaufen, wenn ein Markteinbruch diese Indizes nach oben gejagt hat.

VDax-New misst das Risiko am Aktienmarkt

Der Volatilitätsindex VDax-New misst nach Angaben der Deutschen Börse AG die erwartete Schwankungsbreite des Dax in den kommenden 30 Tagen.
Der Index wird nach einer komplizierten Formel aus den Dax-Optionen an der Terminbörse Eurex ermittelt. Er dient Anlegern als Maßstab für das Risiko, das der Aktienmarkt mit sich bringt, aber auch als Basis für sogenannte Volatilitätsprodukte.

VDax auf www.onvista.de

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