Ärzte Zeitung, 06.10.2010

Anleger offen für geschlossene Immo-Fonds

Anleger wagen sich wieder in geschlossene Immobilienfonds. Vor der Wirtschaftskrise standen noch hohe Renditen im Vordergrund. Heute ist dagegen die Sicherheit für die Anleger besonders wichtig.

Von Richard Haimann

Anleger offen für geschlossene Immo-Fonds

Klappe zu: Geschlossene Fonds vermitteln Sicherheit.

© imagebroker / imago

NEU-ISENBURG. Initiatoren geschlossener Immobilienfonds setzen nicht mehr auf hohe Renditen, sondern vor allem auf Sicherheit. Anleger honorieren die neue Strategie: Die Branche sammelt wieder kräftig Eigenkapital ein.

Als mit der Wirtschaftskrise die Immobilienmärkte weltweit auf Talfahrt gingen, war Sparern der Appetit auf geschlossene Fonds kräftig verdorben worden. Denn bei diesen Fonds gehen Anleger eine unternehmerische Beteiligung ein. Sie haften mit ihrem gesamten Eigenkapital für etwaige Verluste. Im ersten Halbjahr 2009 schrumpfte das von den Mitgliedern des Verbands Geschlossener Fonds (VGF) eingesammelte Eigenkapital auf nur noch 860,4 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatten die Emissionshäuser noch 3,05 Milliarden Euro für ihre Immobilienbeteiligungen auftreiben können.

Jetzt wagen sich Anleger wieder aus der Deckung. Im zweiten Quartal dieses Jahres konnten die VGF-Initiatoren insgesamt 721,4 Millionen Euro für neue geschlossene Immobilienfonds einsammeln. "Das entspricht einem Plus von 33 Prozent gegenüber den 542,5 Millionen Euro im ersten Quartal", sagt Eric Romba, Hauptgeschäftsführer des Verbands, der nach eigenen Angaben 80 Prozent des Marktes für Beteiligungsmodelle repräsentiert.

Dass geschlossene Fonds wieder gefragt sind, liegt vor allem an der veränderten Investmentstrategie der Initiatoren. Buhlten die Emissionshäuser vor der Krise mit hohen Renditeversprechen um das Geld der Anleger, stellen sie heute die Sicherheit in den Vordergrund. So bietet Hannover Leasing erstmals eine Rücknahmegarantie. Der Substanzwerte 6 des Tochterunternehmens der Landesbank Hessen-Thüringen erwirbt für 66,5 Millionen Euro die Betriebszentrale der Deutschen Bahn in Berlin. Die Immobilie ist bis 2018 an den Konzern vermietet. "Sollte die Bahn den Vertrag nicht verlängern, können die Kunden ihre Anteile an uns zurückgeben", sagt Hannover-Leasing-Geschäftsführer Hans Volkert Volckens. In diesem Fall werde der Initiator die Einlage sowie das Agio mit einer jährlichen Mindestverzinsung von 2,5 Prozent abzüglich der bis dahin geleisteten Ausschüttungen erstattet. Volckens: "Die Anleger hätten dann immer noch eine Rendite, die mit der Verzinsung einer deutschen Bundesanleihe vergleichbar ist." Andere Initiatoren setzen auf Wohnungen und werben mit einem geringen Mietausfallrisiko. Hamburg Trust hat gerade seinen sechsten Wohnungsfonds aufgelegt. Für 44 Millionen Euro sollen 160 neue, besondersenergieeffiziente Wohnungen in Frankfurt am Main erworben werden. "Niedrige Nebenkosten sind für Mieter heute ein entscheidendes Argument", so Claudia Kruse-Madsen, Marketingleiterin des Emissionshauses. Anlegerschützer warnen jedoch vor zu hohen Erwartungen an diese Fonds: "Die Nebenkosten sind viel zu hoch", sagt Nils Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Von der üblichen Mindestbeteiligung von 10 500 Euro würden oft mehr als 1500 Euro für Vertriebsprovisionen fließen. "Damit werden nicht einmal 9000 Euro in die Immobilien selbst investiert", so Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. "Entsprechend stark geschmälert wird der effektive Ertrag, den Anleger mit ihrem Eigenkapital erzielen können."

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Offene Immo-Fonds: teils Tücke, teils Idylle

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