Ärzte Zeitung, 18.10.2010

Anlagen-Kolumne

Kommt es bei US-Aktien und Gold zum Gleichstand?

Wohin geht die Fahrt des Goldes? Wohin die der Aktien? Entscheidend ist dabei langfristig die Entwicklung der internationalen Verschuldungsproblematik.

Von Jens Ehrhardt

In der Vergangenheit gab es Börsenphasen, in denen das Verhältnis des amerikanischen Dow Jones Industrieaktiendurchschnitts und des Preises je Unze Gold in Dollar zwischen eins und drei lag. In den 1930er und 1940er Jahren beispielsweise lag der Quotient lange zwischen zwei und drei.

1980 wurde ein Tiefpunkt von 1,3 erreicht. Die Jahrhunderthausse für Aktien trieb diesen Quotienten auf einen Spitzenwert von gut 40 Anfang 2001. Derzeit notiert der Dow Jones bei gut 11 000 Punkten, das Gold bei knapp 1400 Dollar je Unze, was einen Quotienten von 8 ergibt. Goldoptimisten halten heute sogar einen Quotienten von eins für realistisch.

So wäre beispielsweise rechnerisch denkbar, dass sich der Dow Jones und der Goldpreis bei 5000 "treffen", was gegenüber heute mehr als eine Halbierung der Aktiennotierungen und mehr als eine Verdreifachung des Goldpreises bedeuten würde.

Ob und wann einen solche Entwicklung langfristig eintrifft, lässt sich heute kaum verlässlich voraussagen. Zunächst erscheint ein Anstieg der Inflationsraten realistisch, der zunächst Gold und Aktien zugutekommen sollte.

Inflation entsteht im Allgemeinen, wenn die Notenbanken eine expansive Geldpolitik betreiben und gleichzeitig zu wenige Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen, um die Nachfrage zu befriedigen. Was die Geldpolitik betrifft, deutet derzeit nichts darauf hin, dass die Notenbanken von ihrem Kurs niedriger Zinsen und hoher Liquidität abrücken.

Was die Knappheit der Güter angeht, sind die Entwicklungen in den USA und in Europa schon länger durch niedrige Investitionsquoten gekennzeichnet. Diese Investitionsschwäche könnte bedeuten, dass die anschwellende Geldmenge künftig auf einen Mangel an Gütern und Dienstleistungen trifft.

Geldmengenvermehrungen und Abwertungsbestrebungen der internationalen Volkswirtschaften dürften also weiterhin niedrige Zinsen fördern und die Inflationsraten erhöhen. Zunächst könnten somit Aktien und Gold von einem realistischen Anstieg der Inflationsraten profitieren.

Langfristig hingegen wird vor allem die Entwicklung der internationalen Verschuldungsproblematik entscheiden, ob es tatsächlich ein Treffen von Dow Jones und Gold bei 5000 Punkten - das ist schlecht für Aktien, aber gut für das Gold - oder umgekehrt beispielsweise bei 15 000 Punkten geben kann.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt ist unabhängiger Fondsmanager. Mit seinen Fonds erreicht er immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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