Ärzte Zeitung, 07.11.2010

Anlagen-Kolumne

Aktien sind weiterhin eine interessante Option für Anleger

Die US-Notenbank schmeißt die Geldpresse an. Das trifft auf ein positives Echo an den Weltbörsen. Für Anleger heißt das, jetzt eher auf Aktien als Anleihen zu setzen.

Von Jens Ehrhardt

Für die Börsianer rund um den Globus scheint nur noch ein Kursbestimmungsfaktor zu existieren: die Gelddruck-Geschwindigkeit der US-Notenbank. Auch deren jüngste Ankündigung, bis Mitte kommenden Jahres die Geldmenge durch einen Ankauf von Staatsanleihen im Umfang von 600 Milliarden Dollar auszuweiten, wurde von der Börse positiv aufgenommen.

Derzeit werden an der US-Börse tendenziell sogar schlechte Konjunkturmeldungen begrüßt, da man daraus den Schluss einer expansiveren Geldpolitik zieht.

Ein Anwerfen der Notenbank-Geldpresse in den USA erscheint allerdings auch dringend notwendig. Zwar haben sich die Unternehmensgewinne deutlich verbessert - was in den USA allerdings keinesfalls auf ein nachhaltiges Anspringen der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zurückzuführen ist. Vielmehr sind die Gewinnsteigerungen auf drastische Kosteneinsparungen und auf eine erhöhte Lagerhaltung von Unternehmen zurückzuführen.

Trotz oder sogar aufgrund der guten Stimmung an den Aktienbörsen liegen die Dinge keineswegs so einfach, wie dies monetär auf den ersten Blick erscheint. Der starke Aktienoptimismus steht für hohe Erwartungen und dafür, dass mehr und mehr Anleger bereits investiert sind.

Allerdings ist das Stimmungsbild heute keinesfalls derart übertrieben positiv, als dass aus antizyklischer Sicht eine Aktien-Baisse wie 2000 oder nach 2007 zu befürchten wäre. Übertriebener Optimismus ist heute eher an den Anleihemärkten als an den Aktienmärkten zu diagnostizieren.

Beispielsweise lag im Jahre 2000 die Summe des Börsenwertes aller Aktien in den Industrieländern noch leicht oberhalb des Wertes sämtlicher Anleihen. Beim Börsentief im vergangenen Jahr hingegen war der Aktien-Börsenwert auf weniger als ein Drittel der Summe aller Anleihen geschrumpft. Auch das derzeitige Wertverhältnis von Aktien zu Anleihen von gut 40 Prozent bedeutet eher eine Gefahr für Anleihen als für Aktien.

Ungeachtet der verhältnismäßig guten Aussichten für die Anlagekategorie Aktie sollte man weiterhin selektiv vorgehen, dies sowohl unter regionalen Gesichtspunkten, als auch was die Aktienart angeht. Regional bleibt das Chance/Risiko-Verhältnis für europäische Aktien unverändert besser, als für US-Werte.

Unter den europäischen Aktien wiederum sind zyklische Aktien im Vergleich zu den genannten defensiveren Aktien so stark überbewertet wie noch nie in der Börsengeschichte. Sehr defensive Aktien, die in der Regel eine hohe Dividendenrendite aufweisen, dürften vor diesem Hintergrund überdurchschnittlich abschneiden.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt ist unabhängiger Fondsmanager. Mit seinen Fonds erreicht er immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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