Ärzte Zeitung, 06.12.2010

Anlagen-Kolumne

Nippon weckt Hoffnungen auf ein Comeback

Im Vergleich zur Entwicklung des DAX ist die Geschichte des Nikkei 225-Indexes eine Geschichte des Verfalls. Doch die Zeichen zeigen wieder nach oben.

Von Jens Ehrhardt

Der japanische Aktienmarkt erreichte zum Jahreswechsel 1989/1990 sein Allzeit-Hoch bei damals knapp 40 000 Punkten im Nikkei 225-Aktienindex. Ungeachtet vieler Zwischenrallies folgte im Trend ein dramatischer Verfall der Kurse mit einem Tief von kurzzeitig unter 7 000 Punkten im vergangenen Jahr.

Trotz der seitdem eingetretenen Erholung hat sich der Nikkei 225 bis heute nahezu geviertelt in Bezug auf sein Hoch vor gut zwei Jahrzehnten. Zum Vergleich hat der Deutsche Aktienindex (DAX) sich im gleichen Zeitraum im Wert nahezu vervierfacht.

Einer der Hauptgründe für den Verfall der japanischen Aktienkurse ist, dass der Ausgangspunkt vor gut zwei Jahrzehnten von einer übertriebenen Japan-Euphorie geprägt war, die damals in analytisch völlig überzogenen Aktienkursen gemündet hatte.

Jedem vernünftigen Anleger hätte klar sein müssen, dass die hohen Aktienkurse nicht durch künftige Unternehmensgewinne zu rechtfertigen waren, zumal damals bereits ein demografisches Problem absehbar war: Japan ist die am schnellsten alternde Gesellschaft weltweit.

So verringert sich kontinuierlich der Bevölkerungsanteil im berufsfähigen Alter, während die Anzahl der Rentner stark ansteigt. Verbunden ist diese Entwicklung mit betriebswirtschaftlichen (Innovationsarmut) und konjunkturellen (Sparen zu Lasten des Konsums) Negativ-Entwicklungen.

Aus heutiger Sicht erscheinen japanische Aktien im Durchschnitt analytisch nicht hoch bewertet. Im Export nehmen viele japanische Maschinen- und Fahrzeugbauer eine zentrale Rolle am Weltmarkt ein. Für exportlastige Titel könnte Rückenwind zudem dann resultieren, wenn der lange Zeit sehr starke Yen gegen die Währungen der Haupt-Handelspartner schwächer tendiert.

Sehr differenziert muss man den Markt für Technologietitel betrachten. Während Japan über lange Zeit hinweg in vielen Produktsegmenten technologisch führend war, verpassten viele Unternehmen in den letzten Jahren offensichtlich den Anschluss an die Weltspitze.

Zusammenfassend hat der japanische Aktienmarkt sich bis heute auf einem analytisch "vernünftigen" Niveau eingependelt, der Anlegern gute Chancen für selektive Aktienengagements bietet.

Zur Person: Dr. Jens Ehrhardt ist unabhängiger Fondsmanager. Mit seinen Fonds erreicht er immer wieder Spitzenplätze unter den Vermögensverwaltern.

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