Ärzte Zeitung online, 02.12.2010
 

WSI: Schere zwischen Lohn- und Gewinneinkommen wird größer

DÜSSELDORF (dpa). Die Schere zwischen den Einkommen aus Löhnen einerseits sowie aus Gewinnen und Kapitalerträgen andererseits geht in Deutschland laut einer Studie weiter auseinander. Im ersten Halbjahr 2010 sei der Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkommen am gesamten Volkseinkommen deutlich gestiegen

Der Anteil der Löhne und Gehälter dagegen sei rückläufig gewesen, schrieb das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in seinem am Donnerstag veröffentlichen Verteilungsbericht. Damit setze sich der langjährige einseitige Verteilungstrend - nur kurzzeitig unterbrochen durch das Krisenjahr 2009 - unvermindert fort, berichtete das gewerkschaftsnahe Institut der Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf.

Durch das aktuelle Sparpaket der Bundesregierung und die geplante Gesundheitsreform verschärfe sich die ungleiche Verteilung zudem weiter. Es drohten neue Belastungen für Binnennachfrage und Wachstum. Wenn die Einkommensungleichheit immer stärker wachse, würden Wirtschaft und Gesellschaft destabilisiert, kritisierte der Autor der Studie, Claus Schäfer.

Das gesunkene Kaufkraftpotenzial der Arbeitseinkommen lasse sich auch an der sogenannten Bruttolohnquote ablesen, die auf 65,5 Prozent zurückgegangen sei. 2009 lag die Quote, die das Verhältnis der Entgelte zum Volkseinkommen angibt, noch bei gut 68 Prozent. Auch wenn das Weihnachtsgeld in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt sei, spreche der Trend für sich. Schäfer: "Wir sehen das alte Muster: Die Gewinn- und Kapitaleinkommen, die einer überwiegend relativ kleinen Bevölkerungsgruppe zufließen, wachsen deutlich schneller als die Lohneinkommen".

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