Ärzte Zeitung online, 27.07.2011

Gewerbesteuer für Ärzte: Verband fürchtet fatale Wirkung

MÜNCHEN (sto). Der Verband Freier Berufe in Bayern (VFB) hat die Forderung des neuen Städtetagspräsidenten und Nürnberger Oberbürgermeisters Ulrich Maly, die Gewerbesteuer auf die Freien Berufe auszudehnen, entschieden abgelehnt.

"Wir schaffen keine Waren, sondern Werte - freiberufliche Dienstleistungen sind Teil der Infrastruktur", erklärte Verbandspräsident Dr. Fritz Kempter in München.

Bei Einführung der Gewerbesteuer fürchtet der VFB fatale Auswirkungen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Viele Praxen - insbesondere auf dem Land - könnten sich die zusätzlichen Steuerbelastungen nicht leisten, erklärte Kempter.

Im Übrigen würden Freiberufler über die Einkommenssteuer bereits heute über Gebühr belastet. "Statt laufend über höhere Steuern nachzudenken, sollte die öffentliche Hand sparen, insbesondere wenn die Steuereinnahmen so üppig sprudeln wie noch nie", sagte Kempter.

[28.07.2011, 09:11:59]
Ludger Strump 
Gewerbesteuer ist meistens keine Mehrbelastung - zumindest nicht auf dem Land
Der Verband der feien Berufe sollte es eigentlich besser wissen: Die Gewerbesteuer wird ganz oder teilwese auf die Einkommenssteuer angerechnet und ist daher in vielen Fällen keine Mehrbelastung. Nur in Städten , die den Hebesatz für die Gewerbsteuer auf über 380 festgelegt haben, ist die Zahlung an die Stadt höher als die Anrechnung vom Finanzamt. Dies ist gerade auf den Land nur selten der Fall.

Vielleicht ist es sogar besser, wenn ein Arzt zumindest einen Teil seiner Steuern nicht an das 'anonyme' Finanzamt, sondern an 'seine' Gemeinde zahlt. Wenn beispielsweise Landarzt im Rahmen eines Modellprojektes wie 'RegioPraxisBW' Unterstützung von der Gemeinde in Form von Bereitstellung von günstigen Praxisräumen oder ähnliches erhalten will, laufen die Verhandlungen sicher besser, wenn die Gemeinde weis, das sie von ihm auch finanziell profitiert. zum Beitrag »
[28.07.2011, 09:00:35]
Dr. Rolf Ohlrogge 
Gewerbesteuer für Freiberufler
Das ist die Quittung für die unselige Diskussion um Steuerentlastungen bei der der Bevölkerung fälschlich eingeredet wurde es gehe um Schuldenabbau ODER Steuersenkung. Politiker müssen die Stimmung im Lande geradezu als Aufforderung betrachten, mal wieder ganz bequem zuzulangen anstatt mühsam nach Einsparmöglickeiten zu suchen.
"Selber schuld" möchte man sagen.Denn dies ist nicht das letzte mal, dass nach neuen Steuerquellen gesucht wird. zum Beitrag »

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