Ärzte Zeitung online, 08.08.2011

Notenbank kauft Staatsanleihen - Absturz der Märkte gebremst

FRANKFURT/MAIN (dpa). Die Staatsschuldenkrise im Euroraum zwingt die Europäische Zentralbank (EZB) erneut zu ungewöhnlichen Maßnahmen: Um das drohende Übergreifen der Krise auf Spanien und Italien zu verhindern, will die Notenbank nun auch Staatsanleihen dieser großen Euroländer kaufen. Das hat die EZB am späten Sonntagabend signalisiert und damit die Märkte beruhigt.

Am Montag purzelten die Renditen zehnjähriger italienischer und spanischer Anleihen kräftig. Dadurch wird die Refinanzierung für Rom und Madrid wieder günstiger. Im Gegenzug gerieten die Kurse deutscher Staatsanleihen unter Druck. Deutsche Papiere hatten zuletzt von der Flucht aus den Anleihen der beiden Länder profitiert.

"Die Reaktion an den Märkten ist ein Hinweis dafür, dass die EZB bereits Anleihen kauft", sagte Commerzbank-Ökonom Michael Schubert in Frankfurt. Nach dem Kursrutsch der vergangenen Woche und der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA blieb auch der befürchtete Absturz der Börsen aus. Der Dax verlor zum Mittag aber mehr als 2 Prozent.

Trichet begrüßt Spar- und Reformanstrengung

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Sonntag die neuen Spar- und Reformanstrengungen Italiens und Spaniens begrüßt und gleichzeitig mitgeteilt, dass die Notenbank ihr Anleihenkaufprogramm "aktiv umsetzen" werde. Nach einer längeren Pause kaufen die Währungshüter seit vergangener Woche wieder Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder.

Insgesamt stehen Bonds im Wert von 74 Milliarden Euro in den Büchern der EZB - aus Griechenland, Portugal und Irland. Nachdem die Renditen für Anleihen Italiens und Spaniens zuletzt über die kritische Marke von 6 Prozent kletterten, will die Notenbank nun auch diesen Ländern zur Hilfe eilen.

Staaten müssen haushaltspolitischen Verpflichtungen nachkommen

Alle Staaten der Eurozone müssten ihren haushaltspolitischen Verpflichtungen nachkommen und ihr Wachstumspotenzial steigern, schrieb die EZB. Die Notenbank forderte die Staaten auf, die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli rasch umzusetzen. Wichtig sei vor allem, dass der Rettungsfonds EFSF bald Anleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen könne.

Doch die Finanzmarktteilnehmer sind ungeduldig, wie Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner betonte: "Die einzigen, die rasch und mit theoretisch unbegrenzten Mitteln eingreifen können, sind die Notenbanken." Die EZB erkauft also einmal mehr Zeit, um die akute Krise zu dämpfen. Beendet werden könne die Krise aber nur, wenn die Staaten ihre Defizite zurückfahren und ihre Schuldenberge abtragen.

"Kraftvolle Antwort"

Die Royal Bank of Scotland (RBS) begrüßte die Ankündigung der EZB als "kraftvolle" Antwort auf die jüngsten Verwerfungen an den Märkten. Wie die Experten in einer Studie schreiben, dürften die Aufkäufe von italienischen und spanischen Staatsanleihen den drohenden Kollaps der Bondmärkte der angeschlagenen Länder verhindern. Erneut trete die EZB als letzte Verteidigungslinie auf.

Aus Sicht von Berenberg-Bank-Chefvolkswirt Holger Schmieding zeigt die Notenbank, dass sie bereit ist, alles Nötige zu tun, um die Krise in den Griff zu bekommen. Das gelte auch für die Regierungen. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte am Freitagabend erklärt, das geplante Sparprogramm vorzuziehen. Damit will Italien bereits 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »