Ärzte Zeitung, 05.09.2011

Euro-Krise treibt Tagesgeldzinsen nach oben

Zinsen für langfristige Geldanlagen wie Sparbriefe sind derzeit im Sinkflug. Ein Grund ist die Verunsicherung an den Finanzmärkten aufgrund der EU-Schuldenkrise. Ärzte, die ihr Geld kurzfristig anlegen wollen, können von dieser Entwicklung allerdings profitieren.

Von Jürgen Lutz

Euro-Krise treibt Tagesgeldzinsen nach oben

Mehr Zinsen gibt es für Sparer, wenn sie auf kurzfristige Anlagen - zum Beispiel in Form von Tagesgeld - setzen.

© Felix Jork / fotolia.com

Während die Zinsen für Tagesgeld anziehen, geht die Rendite vieler längerfristiger Anlagen zurück. Die Ursachen liegen im Einbruch am Aktienmarkt sowie in der Jagd der Banken nach neuen Kundengeldern.

Der durchschnittliche Zins für Tagesgeld, wie ihn die FMH-Finanzberatung aus Frankfurt am Main im eigens geschaffenen FMH-Index erhebt, ist jüngst auf 1,8 Prozent nach oben geschnellt.

Dabei blendet dieser Index aufmerksamkeitsheischende Marketing-Aktionen, mit denen sich Banken gerne mal ins Rampenlicht schieben, aus und fokussiert auf die Zinsdaten von 35 repräsentativen Häusern aller Bankengruppen. Will heißen: "Für Sparer auf der Suche nach echten Top-Angeboten bieten sich derzeit viele gute Gelegenheiten", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Für 50.000 Euro gibt es derzeit bis zu 2,6 Prozent

In der Tat: Wer 50.000 Euro und mehr parken will, bekommt gleich bei vier Banken den aktuellen Spitzenzins von 2,6 Prozent. Außer Cortal Consors, einer Tochter der französischen BNP Paribas, zahlt die niederländische Credit Europe und die Bank of Scotland - nicht zu verwechseln mit der verstaatlichten Royal Bank of Scotland - sowie Moneyou, ein Ableger der niederländischen ABN Amro-Bank, einen Tagesgeldzins in dieser Höhe.

In allen vier Fällen wurde der Zins entweder im Juli oder August auf dieses Niveau erhöht. Wer 10.000 Euro unterzubringen hat, bekommt bei der DAB Bank sogar 2,75 Prozent - und dieser Zins wird bis zum 30. September 2012 garantiert.

Banken misstrauen sich wieder gegenseitig

Was treibt die Tagesgeldzinsen? Ein Motor dürften die Leitzinserhöhungen der EZB (April und Juli) auf 1,5 Prozent gewesen sein. Der andere Motor ist vermutlich im aktuellen Misstrauen der Banken untereinander zu sehen. So sollen US-Banken angesichts der mit der EU-Schuldenkrise verbundenen Unsicherheit über 30 Milliarden Dollar an Termingeld von europäischen Geldhäusern abgezogen haben.

Zudem bestätigte Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), vor kurzem im "Handelsblatt", dass auch das Vertrauen der Banken der Euro-Zone untereinander nachlässt. Viele Häuser lagerten zunehmend Geld über Nacht bei der EZB ein, obwohl die Geldleihe an andere Banken höhere Zinsen brächte. In der Konsequenz werben die Banken verstärkt mit attraktiven Angeboten um neues Geld der Sparer.

Doch des einen Freud ist des anderen Leid. Während die Tagesgeldzinsen durch die aktuelle Unsicherheit steigen, sinken die Zinsen für längerfristige Anlagen. So gab es Ende Juli laut FMH-Index im Schnitt drei Prozent im Jahr für fünfjährige Sparbriefe, nun sind es noch 2,8 Prozent; bei den zweijährigen Sparbriefen sank die Verzinsung von 2,2 auf 2,0 Prozent.

Schuld ist der Ansturm auf deutsche Staatsanleihen. Die Schuldtitel des Bundes erscheinen vielen Anlegern angesichts des Crashs am Aktienmarkt als sicherer Hort für ihr Kapital. Die hohe Nachfrage nach diesen Papieren drückt den Preis, den der Staat für die Geldleihe zahlen muss. Folglich sinkt die Rendite, die Umlaufrendite - die Rendite der ausstehenden Anleihen der öffentlichen Hand - ging auf 1,99 Prozent zurück. "Damit lässt auch die Motivation der Banken nach, für längerfristige Anlagen hohe Zinsen zu zahlen", sagt Herbst.

Dennoch gibt es trotz homöopathischer Zinsen für Bundesanleihen und Schatzbriefe noch immer interessante Angebote. So zahlen etwa die Santander Consumer Bank sowie die Santander Direkt Bank, die beide dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken in Deutschland angehören, 3,75 Prozent im Jahr, wenn 10.000 Euro für drei Jahre angelegt werden.

Und wer mit der gesetzlichen Einlagensicherung der Europäischen Union in Höhe von 100.000 Euro pro Anleger und Bank zufrieden ist, bekommt bei der russischen VTB Direktbank (die ihre Banklizenz in Österreich hat und damit über den österreichische Staat gesichert ist)für einen solchen Sparbrief sogar vier Prozent im Jahr.

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