Ärzte Zeitung, 23.09.2011

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Novartis - Es wird gespart, aber nicht bei der Forschung

Klare Worte fand in der vergangenen Woche Novartis-CEO Joseph Jimenez: "Wir können noch mehr sparen." Vor allem die hohen Ausgaben für Marketing und Verkauf der Medikamente sind Jimenez ganz offensichtlich ein Dorn im Auge.

Zwar seien diese in der Vergangenheit bereits reduziert worden, dennoch sehe er weiteres Potenzial. Auch im Produktionsbereich will er den Rotstift ansetzen.

Eine 50 Prozent-Auslastung in den 83 vorhandenen Fabriken ist ihm berechtigterweise zu wenig. Entsprechend soll die Produktion konsolidiert werden, notfalls auch zu Lasten von Werksschließungen.

Ein Erfolgserlebnis mit Blick auf die Kostensenkungen können die Schweizer im Übrigen bei der Integration ihres Augenheilkundespezialisten Alcon vorweisen. Der Konzern rechnet insoweit mit höheren Synergieeffekten als ursprünglich angenommen. 350 Millionen US-Dollar (etwa 255 Millionen Euro) anstatt 300 Millionen Dollar sollen es nun jährlich werden.

Bei allen Planungen für mögliche Einsparungen soll der Forschungsetat allerdings unangetastet bleiben. Vielmehr rechnet Jimenez in den kommenden fünf Jahren sogar eher mit höheren Ausgaben für die Forschung. Dort zu sparen wäre insbesondere für einen Pharmakonzern auch das falsche Signal.

Schließlich hängt das Wohl und Wehe extrem von erfolgreichen neuen Medikamenten ab. Insoweit ist Novartis momentan gut aufgestellt. Allein im zweiten Quartal erhielt das Unternehmen vier wichtige Zulassungen, darunter unter anderem ein Medikament zur Behandlung von Bluthochdruckpatienten.

Daneben wurden zuletzt einige wichtige Zulassungsanträge für neue Präparate gestellt, und auch mit Blick auf die Pipeline braucht sich Novartis nicht zu verstecken. Kontinuierliches Wachstum, sowohl beim Umsatz als auch beim Nettogewinn, sollte also, wie vom CEO für die kommenden fünf Jahre avisiert, tatsächlich möglich sein.

Für das Geschäftsjahr 2011 prognostizieren die Analysten zunächst ein Umsatzwachstum von 15,5 Prozent auf 58,5 Milliarden Dollar.

Beim Gewinn je Aktie sollen 4,65 Dollar (plus neun Prozent)hängen bleiben. Mit dem daraus resultierenden 11er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 ist die Aktie nicht zu teuer und hat daher auch vor diesem Hintergrund noch Aufholpotenzial. Anleger steigen auf aktuellem Niveau ein.

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