Ärzte Zeitung, 18.12.2011

US-Aktien sind die Favoriten für 2012

Analysten empfehlen Anlegern für das neue Jahr den Sprung über den großen Teich. Für europäische Papiere trübt der Konjunkturabschwung die Aussichten.

Von Richard Haimann

US-Aktien sind die Favoriten für 2012

Die New Yorker Börse an der Wall-Street: Für US-Unternehmen könnte es dort in den Charts bald aufwärts gehen.

© SeanPavonePhoto / Shutterstock.com

NEU-ISENBURG. Auch 2012 brauchen Anleger gute Nerven. Experten prognostizieren eine neue Rezession für die Eurozone und erwarten, dass die Turbulenzen an den Kapitalmärkten vorerst weiter andauern. Dennoch sehen sie mittelfristig Chancen an den Aktienmärkten - insbesondere in den USA.

Für die Konjunktur in der Eurozone ist Stefan Schneider dagegen alles andere als optimistisch gestimmt: Der Leiter Makroökonomie bei Deutsche Bank Research erwartet, dass die Länder der Währungsgemeinschaft im neuen Jahr in die Rezession gleiten werden.

"Fast alle Staaten konsolidieren gleichzeitig ihre Finanzen - das wird das Wachstum massiv belasten." Auch die deutsche Wirtschaft könne sich den Belastungen nicht entziehen. "Deutschland wird wegen seiner Exportorientierung vom Abschwung mit getroffen werden", so Schneider.

Auch die übrigen Volkswirtschaften der Welt würden 2012 merklich geringer wachsen. Während in der Eurozone die Wirtschaft um 0,5 Prozent schrumpfen werde - und in Deutschland stagnieren -, werde weltweit die Konjunktur um 3,5 Prozent zunehmen, prognostiziert der Chefvolkswirt.

Deutliche Erholung

Selbst in Asien werde das überproportionale Wachstum von rund 7,5 Prozent in diesem Jahr auf 7,2 Prozent etwas zurückgehen. Einen Lichtpunkt sieht Schneider allerdings: "In den USA wird die Wirtschaft 2012 um 2,3 Prozent zulegen."

Ähnlich optimistisch für die Vereinigten Staaten sind auch andere Volkswirte. "2012 wird sich die US-Wirtschaft deutlich erholen", sagt Mark Zandi, der Chefökonom von Moody's Analytics, Mark Zandi.

In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres war das Wachstum in den Staaten zwar sehr verhalten. Im dritten Quartal wuchs die Wirtschaft jedoch um zwei Prozent - auf das Jahr hochgerechnet.

Da überrascht es nicht, dass US-Aktien ganz vorne auf den Empfehlungslisten der Analysten stehen. "Amerikanische Aktien sind jetzt besonders interessant", sagt Dr. Ulrich Stephan, Leiter Globales Investment für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank.

Plus bei Bankaktien erwartet

Die anziehende Konjunktur werde die Gewinne der US-Unternehmen stärken und deren Börsennotierungen in die Höhe treiben. Dies dürfte den US-Dollar gegenüber dem Euro stärken, was Anlegern von US-Papieren zugleich Währungsgewinne bescheren würde.

Vor allem die Kurse von Aktien und Anleihen amerikanischer Banken dürften 2012 kräftig zulegen, meint Ryan Brist vom Investmenthaus Legg Mason. Bislang meiden Anleger diese Papiere aus Angst, die schwache Konjunkturlage und die Eurokrise könnten die Gewinne der Geldhäuser einbrechen lassen.

Brist sieht diese Gefahr nicht: "Die großen US-Banken halten sehr viel Liquidität in ihren Büchern." Sobald Unternehmen wieder Kredite aufnehmen, um kräftiger zu investieren, würden die Banken dieses Kapital lukrativ anlegen können.

Anlegern, die lieber in Papiere aus der Eurozone investieren wollen, sollten auf Aktien von Supermarkt-Ketten, Telekommunikations- und Pharmaunternehmen setzen, rät Michael Clark, Aktienfondsmanager bei Fidelity.

Weiter starkes Wachstum in China

"Deren Kurse sind 2011 so stark gefallen, dass sie auf dem Niveau von 1999 notieren." Weil die Unternehmen dennoch genügend Gewinne erzielt haben, um ihre Ausschüttungen im bisherigen Umfang leisten zu können, sind die Dividendenrenditen kräftig gestiegen.

Spitzenreiter ist France Telecom, deren erwartete Ausschüttung beim aktuellen Kurs einem Ertrag von elf Prozent entspricht. Unter den Märkten der Schwellenländer erwarten Analysten steigende Kurse in Asien, insbesondere in China und Russland.

Zwar werde Chinas Wirtschaft wegen der Rezession in Europa 2012 nicht mehr so stark steigen wie zuletzt, sagt Anthony Bolton, Investmentpräsident bei Fidelity.

"Das Wachstum wird aber weiter bei 7,5 bis acht Prozent liegen - und damit deutlich stärker ausfallen als im Rest der Welt." Da auch chinesische Aktien zuletzt unter Druck geraten sind, biete sich nun eine Einstiegschance.

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