Ärzte Zeitung, 02.06.2012

Über Südamerikas Märkten scheint die Sonne

Die Wirtschaft in Mittel- und Südamerika brummt. Das treibt den Konsum und die Börsen auf dem Subkontinent in die Höhe.

Von Richard Haimann

Über Südamerikas Märkten scheint die Sonne

Wachstum unter Gottes Aufsicht? Auf dem Corcovado breitet der steinerne Jesus seine Arme schützend über Rio aus.

© sfmthd / fotalia.com

NEU-ISENBURG. Während Europas Börsen wegen der Eurokrise Achterbahn fahren, kennen die Kurse vieler Aktien lateinamerikanischer Unternehmen nur eine Richtung: aufwärts.

Kein Wunder: Denn in zahlreichen Staaten südlich des Rio Grande wächst die Wirtschaft kräftig.

"Rekordverdächtig niedrige Arbeitslosenquoten und steigende Reallöhne befeuern den Konsum in der gesamten Region", erläutert Angel Ortiz, Lateinamerika-Experte bei Fidelity. "Diese Faktoren werden auf lange Sicht zu einem starken konsumgetriebenen Wachstum führen."

Um jeweils mehr als drei Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf dem Subkontinent in den vergangenen Jahren gewachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert in einer neuen Studie, dass die Staaten der Region das Tempo beibehalten werden.

Um 3,7 Prozent soll das lateinamerikanische BIP 2012 steigen. Für 2013 stellt der IWF ein Plus von 4,1 Prozent in Aussicht.

Südamerikas Konsumaktien sind bei US-Anlegern begehrt

Vor allem Anleger aus den USA setzen deshalb bereits seit einigen Jahren verstärkt auf lateinamerikanische Konsum-Aktien, von denen etliche inzwischen auch an deutschen Börsen gehandelt werden. Das Papier von Grupo Elektra (ISIN MX01EL000003), des größten Einzelhandelskonzerns Lateinamerikas, ist seit 2009 um 100 Prozent gestiegen.

Die Aktie von Wal-Mart de Mexico (MXP810081010), der südlich des Rio Grande agierenden Tochter des US-Einzelhandelsgiganten, hat in den vergangenen drei Jahren um 300 Prozent zugelegt. Der Börsenkurs des stark expandierenden brasilianischen Stromversorgers Copel (BRCPLEACNPB9) gewann im selben Zeitraum rund 125 Prozent.

Hingegen stagnierte seit 2009 der Kurs des mexikanischen Baustoffproduzenten Cemex (MXP225611567). Der größte Zementhersteller der Welt litt unter der Krise am Immobilienmarkt der USA.

Inzwischen hat die Baukonjunktur in den Vereinigten Staaten aber deutlich angezogen und Cemex beginnt wieder, kräftig zu verdienen.

Im ersten Quartal 2012 steigerte der Konzern den operativen Gewinn gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um 34 Prozent auf 240 Millionen Dollar. Vorstandschef Fernando A. González blickt optimistisch in die Zukunft: "Für dieses Jahr erwarten wir einen Gewinn nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 400 Millionen Dollar."

Denn nicht nur in den USA, auch in Lateinamerika selbst hat der Konzern reichlich neue Aufträge gewonnen.

Neue Wohnquartiere und Einkaufszentren boomen

Von Tijuana im Norden Mexikos bis Puerto Montt im Süden Chiles errichten Projektentwickler auf dem gesamten Subkontinent neue moderne Wohnquartiere und Einkaufszentren, in denen die Menschen leben und ihre Konsumträume erfüllen können.

Steven Bachman, Analyst bei RBC Capital Markets, geht davon aus, dass die Aktie bis zum Frühjahr 2013 auf acht US-Dollar steigen könnte. Gegenüber der gegenwärtigen Notierung würde dies einem Gewinn von 36 Prozent entsprechen.

Inzwischen setzen auch in Deutschland immer mehr Anleger auf die Latino-Börsen. Aktienfonds, die ausschließlich in lateinamerikanische Werte investieren, verzeichneten nach Angaben des Fondsverbands BVI im ersten Quartal 2012 Mittelzuflüsse von 116,7 Millionen Euro.

Ein Plus von 15,1 Prozent. Hingegen zogen Anleger im selben Zeitraum 157,2 Millionen Euro aus europäischen Aktienfonds ab.

Allerdings sind nicht alle Latino-Fonds auf Jahressicht im Plus. Denn auch an den lateinamerikanischen Börsen sind Bankenwerte durch die Eurokrise unter Druck geraten. Das schlägt sich in den Indizes nieder.

Der mexikanische IPC mit seinem vergleichsweise hohen Anteil an Konsumgüteraktien gewann in den vergangenen zwölf Monaten 8,3 Prozent. Hingegen verlor der von Finanztiteln dominierte brasilianische Bovespa im selben Zeitraum 7,7 Prozent.

Anleger können sich aber dem Abwärtssog der Finanztitel entziehen, indem sie keine Fonds zeichnen, sondern Anteilscheine einzelner, gut ausgesuchter Unternehmen erwerben.

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