Ärzte Zeitung, 13.06.2012

Kindergeld nur mit Sprachunterricht

Wer seine Kinder als Au-pair ins Ausland schickt, kann für sie weiter Kindergeld bekommen. Dafür gelten allerdings Bedingungen, wie der Bundesfinanzhof klargestellt hat.

MÜNCHEN (mwo). Ärzte, deren volljährige Kinder als Au-pair ins Ausland gehen, haben nur noch dann Anspruch auf Kindergeld, wenn ihre Kinder dort auch Sprachunterricht erhalten.

Dieser muss durchschnittlich mindestens zehn Stunden pro Woche umfassen, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in München mit einem Urteil bekräftigt hat.

Er wies damit die Klage eines Vaters ab, dessen Tochter nach dem Abitur 2006 für elf Monate als Au-pair in England war. Dort hatte sie zwar auch eine Prüfung abgelegt und Unterricht erhalten, aber nicht im erforderlichen Umfang von zehn Stunden pro Woche.

Ein Anspruch der Eltern auf Kindergeld bestehe daher nicht, urteilte der BFH. Die Zeit für Hausarbeiten zähle nicht mit.

Abgrenzung vom reinen Spaß

Kindergeld wird generell bis zur Volljährigkeit gezahlt. Danach besteht noch ein Anspruch bis zum 25. Geburtstag, wenn der Nachwuchs einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz sucht, oder wenn sich das Kind noch in der Ausbildung befindet.

Als Ausbildung zählt alles, was dem beruflichen Fortkommen dienlich ist, auch der Erwerb von Sprachkenntnissen.

Weil Auslandsaufenthalte fast immer beim Spracherwerb helfen, sahen die Münchener Richter hier allerdings die Notwendigkeit, reinen Spaß oder andere Ziele von der Berufsausbildung abzugrenzen.

Daher setzten sie schon früher für Au-pairs fest, dass der Auslandsaufenthalt "von einem durchschnittlich mindestens zehn Wochenstunden umfassenden theoretisch-systematischen Sprachunterricht begleitet werden" muss. Daran hielt der BFH nun fest.

Az.: III R 58/08

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Warum bei Dicken das Hirn hungert

Das Gehirn von schlanken und fettleibigen Personen reagiert unterschiedlich auf Energiezufuhr, so eine Studie. Und: Es gibt dabei eine Parallele zwischen Übergewicht und Depression. mehr »

Ärzte kritisieren AfD-Anfrage im Bundestag

Ärzte beschuldigen die Fraktion "Alternative für Deutschland" (AfD), mit zwei gesundheitsbezogenen parlamentarischen Anfragen gezielt Stimmung gegen Migranten zu machen. mehr »

"Je härter der Knoten, desto höher die Krebs-Wahrscheinlichkeit"

Schilddrüsenknoten werden immer häufiger diagnostiziert. Warum das so ist, welche Untersuchungen zur Abklärung nötig sind und welche Methode immer bedeutender wird, erläutert der Endokrinologe Prof. Matthias Schott. mehr »