Ärzte Zeitung, 22.09.2012

Reiche Deutsche

4715 Milliarden Euro auf der hohen Kante

Das Geldvermögen ist zuletzt langsamer gewachsen als früher. Trotzdem ist das Privatvermögen der Deutschen so groß wie nie. Das geht aus dem Global Wealth Report" des Versicherungskonzerns Allianz hervor.

Von Harald Schmidt

4715 Milliarden Euro auf der hohen Kante

Das Vermögen der Deutschen wächst trotz der europäischen Finanz- und Schuldenkrise unaufhörlich weiter.

© Franz Pfluegl / fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Das private Geldvermögen der Deutschen wächst trotz Schuldenkrise unaufhörlich weiter.

Während die Bevölkerung Westeuropas im vergangenen Jahr insgesamt Geld verloren hat, stieg das Bruttovermögen der Privathaushalte in Deutschland nach Berechnungen des Versicherungskonzerns Allianz um 1,3 Prozent auf das Rekordniveau von 4715 Milliarden Euro.

Zwar war der Zuwachs deutlich geringer als in den beiden Vorjahren. "Aber jetzt wächst das deutsche Privatvermögen im Gleichschritt mit dem globalen Wachstum und schneller als in den Industrieländern. In den Vorjahren hinkte Deutschland hinterher", sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen bei der Vorstellung des "Global Wealth Reports" in Frankfurt.

Damit sind die Deutschen heute ungeachtet der Schuldenkrise und der Kursverluste an den Börsen so reich wie nie zuvor. Immobilienbesitz und Ansprüche auf die gesetzliche Rente noch gar nicht eingerechnet.

Allerdings verlor das Vermögen an Wert, weil die Verbraucherpreise gleichzeitig um 2,3 Prozent anzogen.

Auch weltweit häufen die Menschen immer mehr Bargeld, Sichteinlagen, Versicherungen oder Wertpapiere an. Erstmals sei die Marke von 100 Billionen Euro durchbrochen worden, berichtete Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise: "Das globale Geldvermögen der privaten Haushalte kletterte auf insgesamt 103,3 Billionen Euro."

Zum Jubeln sieht Heise aber keinen Anlass, weil das Wachstum nach zwei dynamischen Jahren enttäuschend ausgefallen sei: Der Zuwachs lag bei 1,6 Prozent, in der Pro-Kopf-Rechnung sogar nur bei 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Es ist unübersehbar, dass Unsicherheit, niedrige Zinsen und Euro-Krise ihre Spuren in der Vermögensentwicklung hinterlassen", sagte Heise. Zumal sich verunsicherte Privatanleger den Angaben zufolge weltweit in vermeintlich risikoarme Anlageformen flüchten - die aber weniger Zinsen abwerfen.

Anderer Trend in den Krisenländern

Für Heise sind Sparer deshalb die Leidtragenden der ungelösten Krise im Euroraum und der zögerlichen Neuordnung der Finanzmärkte.

Immerhin: Nach Zahlen der Deutschen Bundesbank stieg das private Geldvermögen in Deutschland im Auftaktquartal 2012 weiter auf 4805 Milliarden Euro. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sparer hätten schon länger mit einem widrigen Sparumfeld zu kämpfen, betonte Heise. Zwar sei das Brutto-Geldvermögen pro Kopf seit 2000 im Durchschnitt um 3,1 Prozent pro Jahr gewachsen.

Dies entspreche aber ziemlich genau der durchschnittlichen Inflationsrate in diesem Zeitraum: "In den letzten elf Jahren konnten die Sparer weltweit keinen realen Vermögenszuwachs erzielen."

Westeuropa ist der Studie zufolge im vorigen Jahr die einzige Region mit schrumpfendem Geldvermögen gewesen.

Während sich Deutschland durch eine geringe Privatverschuldung und hohe Sparleistungen sowie durch die robuste Konjunktur dem Abwärtstrend entziehen konnte, traf es die Krisenländer hart: Nach den Angaben schrumpfte das Bruttovermögen der Italiener um 3,1 Prozent, der Portugiesen um 3,3 Prozent und der Spanier um 3,5 Prozent. Die krisengebeutelten Griechen verloren sogar 9,1 Prozent ihres Geldes.

Mit einem Brutto-Geldvermögen pro Kopf von 57.384 Euro belegt Deutschland im weltweiten Nationenranking des Versicherers nur Rang 19 und lag damit beispielsweise hinter Italien (58.380 Euro), Österreich (60.500 Euro), Frankreich (63.390 Euro) oder Großbritannien (82.160 Euro).

Weltweit errechnete die Allianz ein Pro-Kopf-Vermögen von 21.500 Euro. Mit weitem Abstand am meisten Geld haben die Schweizer: pro Kopf 214.800 Euro. (dpa)

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